Stonefield

Stonefield Farm

6.8.2013 / Ankunft

 

Meine Reise hierher war wunderschön.
Die Farm selbst besteht aus nur einem kleinen Haus. Innen ist es dreckig, sehr unordentlich und es liegt ständig der Duft von Katzenfutter in der Luft. Heute darf ich mir noch das Zimmer mit Farncois teilen, der am Freitag abreisen wird. Dessen Englisch ist noch schlechter als das der beiden Franzosen in Carroch. Thea selbst ist eine Frau Typ “Marianne” und ich bin nicht ganz sicher, ob ich auf Dauer mit ihr auskommen werde. Sie hat viele Holz-Jobs für mich und scheint wohl auch recht dankbar dafür zu sein, mich für diese Sachen hier zu haben. Eines steht auf jeden Fall: Das einfache Leben von Carroch werde ich hier nicht haben. Aber das ist auch garnicht schlecht. Das stört mich nicht im Mindesten. Neben dem Zustand des Hauses ist es eher die Atmosphäre, die mich derzeit am Wohlfühlen hindert. Ich kann es noch nicht genau in Worte fassen.
Nichts desto werde ich die nächsten zwei Wochen hier verbringen. Der Gedanke, dass ich jederzeit abbrechen und mit meinem eigenen Auto fortgehen kann, beruhigt sehr. Wenngleich das ein Notausgang ist, der momentan noch nicht in Betracht kommt. Ich werde das hier einfach durchziehen und basta. Und vielleicht täuscht auch der erste Eindruck und mir wird der Abschied in 2 Wochen ebenso schwer fallen wie von Graham heute?
Die Herrschaften von der Forestry Commission haben mir heute nachmittag gleich eine Absage geschickt.Ich weiß nicht weshalb. Vielleicht wollen sie einen Muttersprachler für den Job, der ja doch mit Beratung von Waldbesitzern zutun hat. Schade. Wäre schön gewesen. Aber wer nicht will…

7.8.2013 / Schlaglöcher

Theas Border CollieDer Tag heute war etwas besser als der gestrige. Wir, das heisst Francois und ich, haben ein paar Schlaglöcher gefüllt. Dazu mussten wir den Traktor benutzen und ich kann nicht wirklich sagen, dass ich mich auf so einem Gefährt wohlfühle. Thea wird mir damit noch eine Einweisung geben und vielleicht fühle ich mich dann etwas sicherer. Francois ist ein lieber Kerl, doch sein gebrochenes Englisch und seine ganze Schluffi-Art machen es mir schwer, Vertrauen zu ihm zu fassen. Er ist fleissig, doch sehr weit von einer selbständigen Arbeitsweise entfernt. Wenn Thea häufiger Wwoofer wie ihn hat kann ich gut verstehen, warum sie bisweilen etwas herrisch ist.
Immerhin habe ich heute gleich drei Waldbesitzer kennengelernt, einer von ihnen ist zu Gast in Theas Cottage und möchte mich die Tage mit auf Jagd nehmen. Tatsächlich ist er auch noch ein Forst-Unternehmer, der evtl. einen Job für mich hat.
Sei es wie es sei, momentan zähle ich noch die Tage bis ich wieder aufbrechen darf. Heute glaube ich nicht, dass mir der Abschied besonders schwer fallen wird. Ich ertrage das Chaos im Haus einfach nicht. Und den widerlichen Geruch im Esszimmer. Ich bin wirklich hart im Nehmen was das angeht und selbst auch nicht der ordentlichste Mensch. Und vom Sauberkeitsfanatiker bin ich auch weit entfernt. Aber das hier ist mir einfach zuviel.
Leider möchte sich mein Laptop nicht vernünftig mit dem zur Verfügung stehenden Router verbinden, weshalb ich nicht jeden Tag dazu kommen werde, meinen Blog fortzuführen. Ist aber vielleicht auch besser so.

Momentan finde ich mich einfach mit dem Gedanken ab, dass ich diesen Job hier jetzt noch 13 Tage lang durchziehen werde. Komme was wolle. Augen zu und durch. Und die Arbeit selbst ist ja gar nicht mal schlecht. Sobald Thea mir eine Motorsäge in die Hand gibt, im Gegensatz zu Graham besitzt sie zwei ordentliche Modell aus den Häusern Stihl und Husqvarna, wird sie schon sehen was sie an mir hat. Und dass sie mir Kochen auch nicht wird erklären wie müssen, wie sie es bei Francois tun muss, wird sie schon bald noch herausfinden.
Momentan kommt sie mir herrisch, selbstgerecht und herablassend vor. Doch dieser Eindruck mag schnell verfliegen sobald sie einmal dahinter gekommen ist, dass sie es mit einem Ingenieur zutun hat. Dies werde ich ihr mit guter Arbeit demonstrieren müssen und ich hoffe sehr, dass dieser Plan aufgeht.

Doch seit ich hier bin mache ich mir zunehmend mehr Gedanken um das „danach“, also wie es mit mir in Deutschland weitergehen soll. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Bei Graham fühlte ich mich rundum sauwohl und zufrieden und hätte mir durchaus vorstellen können, ein solches Leben bis ans Ende meiner Tage zu führen. Hier jedoch fühle ich mich nicht wohl und wünsche mich fort, also muss dieses „fort“ auch in Gedanken eine Gestalt bekommen.
Momentan kreisen meine Gedanken um eine Selbstständigkeit im Bereich Fleischhandel und Forstdienstleistung. Und wenn das nicht reicht, und am Anfang wird es das auf keinen Fall, werde ich mir eben einige Nebenjobs suchen um das Nötigste zu finanzieren. Ist doch mal nicht der schlechteste aller Pläne. Doch meine Hoffnung, hier eine zumindest verübergehende Anstellung zu finden, habe ich noch nicht aufgegeben.

8.8.2013 / Ich als Landmaschinentechniker und Schreiner…
Brennholzlager

Echte Ingenieurskunst sieht anders aus. Aber man macht das Beste aus dem, was man serviert bekommt. Das „form-follows-function“-Prinzip (=sinngemäß Funktion geht vor Ästhetik) ist ja schön und gut, aber rechte Winkel sind funktional…da hätte man durchaus drauf achten können.

Meine Laune hat sich etwas gebessert. Ich halte an meiner „Augen zu und durch“-Taktik fest. Fiel heute auch nicht besonders schwer, die Aufgaben waren durchaus interessant. Zu erst durfte ich den Brennholzschober in Augenschein nehmen und teilweise demontieren. Thea hat mir gesagt, sie habe ihn gebaut. Heute habe ich darüber mächtig fluchen müssen: Dieses Teil ist ein zusammengezimmerter Scheißhaufen! Nirgends rechte Winkel oder gerade Linien. Die Bretter, welche zu kurz waren, wurden kurzerhand mit Eisen zusammengeschraubt – jedoch waren die Schrauben viel zu klein für die Löcher im Eisen. Ein gutes Gefühl, so etwas auseinander nehmen zu dürfen. Und wäre der Akku des Schraubers aufgeladen gewesen, ich hätte ihr noch heute einen ordentlichen Bau hingestellt. War er aber nicht. Also wurde das auf morgen vertagt.
HeuwenderAnschließend dürften wir uns als Landmaschinentechniker versuchen. Thea war bis zum Nachmittag abwesend und alles was wir hatten war Werkzeug und eine grobe Skizze. Immerhin war es spannend, mal an einem „bailer“, dem Apperat, der Heuballen ausspuckt, herumzubasteln. Wirklich gut gelungen ist uns das jedoch leider nicht, da die Teile verzogen und verrostet waren. Als Thea dann kam, hat sie uns erst deshalb gescholten – um dann selbst beim Versuch es besser zu machen zu fluchen! Dann habe ich noch am Grasmäher die Haifischflossen, die nach dem Schnitt das Gras wenden und belüften (oder so) austauschen dürfen. Immerhin das hat gut funktioniert.
Morgen früh wird Francois uns verlassen. Dann werden die Kühe gewaschen und Thea hat angekündigt, mir morgen eine Einweisung im Traktorfahren zu geben damit ich die Wiese mähen kann. Das klingt alles nach einem vielversprechenden Tag, auch ohne Motorsäge.
Die Kühe, echte Highland Cattle, werden gewaschen, weil am Samstag eine Show stattfindet wo die beiden jüngeren Kühe, beides Damen, versteigert werden. Um die 300 Pfund soll so ein Kalb bringen. Und ich darf beim Präsentieren mithelfen, indem ich sich am Halfter führe. Das wird ein Spaß!
Und sonst?
Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich hier glücklich bin. Aber es sind nur wenige Tage. Heute ist Thea ein bisschen aufgetaut. Oder ich selbst.
Ich bin noch nicht sicher, was ich mit meiner freien Woche anstellen soll. Wahrscheinlich werde ich mir hier einfach einen schönen Campingplatz suchen und die Gegend erkunden. Seit ich hier bin hatte ich noch keinen „echten“ Pubbesuch….

9.8.2013 / Cow-Washing

Guter Tag. Zwar ganz anders als gestern noch geplant, aber gut. Wir haben die Kühe gewaschen und gekämmt, damit sie morgen auf der Show hübsch aussehen. Der Hund hat dabei den ganzen Nachmittag im Haus verbaselt, scheint aber kein bisschen traurig darüber zu sein. Im Gegenteil er ist ruhig, entspannt und ausgeglichen obwohl er kaum Bewegung oder Beschäftigung hatte. Vielleicht waren die letzten Wochen auch nur zu aufregend, zu spannend, zu anstrengend sodass er dankbar für seinen faulen Tag war.
Am Abend habe ich von Rick, so der Name des Forstunternehmers, die Visitenkarte bekommen. Ich soll ihn anrufen, falls ich für Oktober/November Arbeit suche. Ein richtig großartiges Gefühl. Er wird zwar weniger einen Förster als einen Waldarbeiter brauchen aber was soll’s? Ein bisschen Arbeitserfahrung, noch dazu im Ausland, wird sich auch in diesem Bereich in meinem Lebenslauf gut tun.
Heute muss ich früh in die Koje denn morgen ist die große Show. Und das heisst für mich, dass ich kurz nach 6 raus muss und anschließend 2h im Auto verbringe. Wir müssen bis um 15Uhr dort bleiben und werden frühestens um 17Uhr wieder zurück sein. Also wieder ein langer Tag und der heutige war schon länger als geplant. Ich hoffe sehr, dass Thea diesen Arbeitseinsatz meinerseits zu schätzen weiß.
So, genug geschwafelt, ich muss ins Bett…

10.8.2013 / Cattle Show

HundeshowHighland Cattle ShowDie Show heute war…ein Erlebnis. Das in jedem Fall. Sie war kleiner, als erwartet. Selbst Thea hatte mit mehr Teilnehmern und Gästen gerechnet. Das Führen der Kälber war ein kleines Abenteuer für sich, aber es ging alles gut. Anschließend durfte ich noch mit Whisky an den Start für „Gundogs“. Das Feld der Teilnehmer war groß, über 30 Hunde verschiedener Rassen waren mit dabei. Leider gingen wir dabei leer aus, aber es war zumindest mal eine Erfahrung.
Der Rest des Nachmittags war weniger aufregend. Ich habe mir die Aussteller angesehen, ein Bier getrunken und an einem Milchwetttrinken teilgenommen. 12s für einen halben Liter Milch, nicht schlecht, ziemlich gut für deren Tafel aber früher war ich mal schneller bei so was…
Meine Gastgeberin schafft es bisweilen, mir mit ihrer Art tierisch auf die Nerven zu gehen. Ich habe viel Verständnis für sie und ihre Situation: Sie sagte selbst, es sei sehr ungewöhnlich, einen Ingenieur als Wwoofer zu haben. Somit ist sie es gewohnt, immer Recht zu haben und alles besser zu wissen. Und vermutlich erscheine ich ihr arrogant und herablassend, ebenso wie sie mir. Ich traue mich gar nicht, ihr zu erklären dass wir in Deutschland gut 30 Jahre weiter in der Entwicklung und Forschung der Forstwirtschaft sind als in Großbritannien. Da hatte ich mit Graham einen fundierteren Gesprächspartner: Der hat immerhin Ökologie studiert, was sehr gut zu seinem Interesse an gut durchmischten Wäldern passt. Hier jedoch ist der Wald lediglich dazu da, um Geld einzubringen. Das ist alles. Alles andere spielt keine Rolle. Das einzige, was interessiert, und was auch Thea interessiert, ist der eigene Vorteil. Was sonst noch sein könnte ist ohne Belang. Wenn es kein Geld oder direkten Nutzen hat, ist es bloß Zeitverschwendung.

Mit dieser Einstellung reisst sie bei mir Wunden auf, die nie wirklich abheilen konnten. Mittlerweile war ich ja bereits in Deutschland zu der Auffassung gelangt, dass Waldbesitz nicht in Händen von Privatmenschen sein sollte. Genau aus diesem Grund. Der Wald ist ein schützenswertes Biotop, das es zu erhalten, zu fördern und zu erforschen gilt. Dass man dabei noch Geld verdienen kann um die Kosten zu decken ist eine nette Nebenerscheinung, aber nicht die Hauptsache. Unsere Verantwortung gilt den Generationen nach uns und der Arterhaltung.

Meine Euphorie von gestern ist verflogen und ist einer zähneknirschenden Apathie gewichen. Es ist nicht alles schlecht, im Gegenteil: Ich lerne viel über Dinge, mit denen ich mich in Deutschland niemals befasst habe. Zuletzt meiner Bewerbung beim „Allgäuer Bauernblatt“ könnte es nützen, mal eine Kuh gewaschen zu haben. Und natürlich kommen die Konflikte mit Thea auch von meiner Seite. Ich bin gewiss kein einfacher Mensch und sie ist es ebenso wenig. Also werde ich einfach mitnehmen, was sinnvoll und gut ist und alles andere ertragen. Bis zum 21ten August ist nicht mehr soviel Zeit.
Tatsächlich habe ich heute zum ersten Mal seit meiner Abreise festgestellt, dass ich Deutschland vermisse. Ich vermisse meine aufgeräumte Küche. Ich vermisse einen Gesprächspartner, der versteht was ich sage. Zugegeben: In der Muttersprache fällt es doch immens leichter, komplexe Zusammenhänge zu erläutern und die eigene Meinung und Ansicht dergestalt darzulegen, dass man nicht sofort missverstanden wird. Und ich vermisse die Feierabende auf dem Sofa mit meinem Mann. Ich vermisse es, auf die Jagd zu gehen.
Echtes Heimweh habe ich noch nicht. Aber ich freue mich sehr auf meine freie Woche, wenngleich ich noch sehr unschlüssig bin, wo ich hingehen und was ich machen werde.

11.8.2013 / Very british…

Mein freier Sonntag ist mal wieder ein Tag des Faulenzens. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung hier sind doch sehr eingeschränkt: es gibt einen botanischen Garten den man sich anschauen kann, was ich nächsten Sonntag gewiss auch tun werde. Und sonst? Da ich keinen dauerhaften Zugang zum Internet habe, meine Bücher alle ausgelesen sind und ich allein bin, ist die Langeweile zu Gast. Immerhin habe ich mir an der hiesigen Tankstelle eine Zeitung gekauft. Langsam wird das zur Tradition am Sonntag…
Ich verfluche mich dafür, dass ich mir auf dem Hinweg keinen Stoff besorgt habe – dann hätte ich mir wenigstens mit Näharbeiten die Zeit vertreiben können.
Meine Gastgeberin ist auch schon wieder unterwegs. Gestern noch habe ich sie gefragt, ob sie irgendwelche Vorschläge hätte. Schließlich wohnt sie hier schon etwas länger. Doch sie hatte keine Ideen. Und sie hat mir auch nicht angeboten, ihren Fernseher zu benutzen. Zu allem Überdruss regnet es mal wieder, d.h. Bergwandern ist auch keine supertolle Option…
Ich pflege den Müßiggang also mit Zeitunglesen, Biertrinken und Solitärspielen.
Gestern auf der Show habe ich ihre Freunde beobachtet. Es sind alles Engländer, so wie sie selbst. Dabei ist mir aufgefallen, wie wenig gelächelt oder gar gelacht wird. Selbst als sie den Kindern angeboten haben, die Kuh zu kämmen und zu streicheln, gab es kein Lächeln. Auf der anderen Seite scheint sie es auch nicht gewohnt zu sein, dass andere lachen. Sie hat mich gleich gefragt, weshalb ich über sie lache. Dabei wäre es das letzte, was mir einfallen würde. Es scheint nur irgendwie in meiner Art zu liegen, zu lachen und freundlich zu sein…
Darüber hinaus überrascht es mich ein bisschen, dass meine englischen Gegenüber eher das schlechteste annehmen, dass ich über sie lache, z.B, als davon auszugehen, dass ich es nicht böse meine. Ebenso die vielen kleinen Missverständnisse, die schon zu kleineren Konflikten zwischen mir und Thea geführt haben. Ich erinnere mich noch an meine Zeit bei McD, wo ich es ja tagtäglich mit Kollegen zutun hatte, die der deutschen Sprache weniger mächtig waren. Und jedes Mal, wenn einer dieser Kollegen eine eher böse oder negative Formulierung gewählt haben, habe ich nachgefragt wie sie es denn meinen. Und sie korrigiert. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass Thea nicht im Mindesten auf die Idee kommt, dass unsere Schwierigkeiten miteinander an meinen Schwierigkeiten mit der englischen Sprache liegen und ich keineswegs Böses oder Herablassendes ihr gegenüber äußern würde. Das macht es schwierig. Sie sagt, sie sei seit 10 Jahren Gastgeber für Wwoofer. Hätte sie da nicht etwas mehr Verständnis und Nachsicht gegenüber ausländischen Gästen lernen können?

12.8.2013 / Try to reach me the water, please…

Endlich Arbeit mit der Motorsäge!
Nach kleineren Schwierigkeiten zu anfang habe ich Thea doch am Ende beweisen können, wofür ich wenigstens gut bin. Der erste Job war eine Lärche, die auf den Kuhzaun gefallen war. Nachdem ich den Zaun befreit hatte, habe ich weiter gemacht um aus dem Rest des Stammes, etwa BHD 40cm, Brennholzklötze zu schneiden. Das war aber dann wohl nicht in Theas Sinne, wenngleich nicht ganz falsch. Ihr hätte es gereicht, wenn ich lediglich den Zaun befreie und fertig. Na egal. Sie hat sichdann noch über die kurvigen Trennschnitte beklagt…
Der nächste Job war dagegen verhältnismäßig einfach: Eine schmächtige Lärche, etwa BHD 20cm, hat es samt Wurzelteller umgeworfen und hing schön im Bestand. Sie sagte selbst, sie traue sich nicht, den “uppercut” zu machen was soviel heisst wie: Mit der Oberseite des Schwertes der Motorsäge, also auslaufender Kette, einen Trennschnitt von unten machen. Die auslaufende Kette ist unbeherrschter und kraftvoller als die einlaufende Kette auf der Unterseite. Durchaus verständlich, davor Respekt zu haben. Aber kein Problem für mich. Sie war sehr begeistert als sie sich zur “lunchtime”, also etwa 13 Uhr, mein Werk betrachten konnte. Der Baum lag, war sauber entastet und auch schon ihrer Sortierung gerecht für Zaunpfähle zugeschnitten. Das war wohl das erste Mal, dass sie wirklich zufrieden mit mir war. Mehr noch: Ich habe etwas getan, wozu sie sich selbst nicht in der Lage sah. Das könnte eine Kehrtwende in dieser doch eher unterkühlten Beziehung bedeuten…
Leider kam ich nicht dazu, am Nachmittag großartig weiter zu machen: Beide Sägen verweigerten mir den Dienst. Die große Husqvarna wollte beim besten Willen nicht anspringen, die kleinere Stihl ist jedes Mal beim Vollgasgeben abgesoffen. Blöd. Und keine Ahnung, was da los war. Ich war schon in Sorge, dies würde Thea erneut verstimmen doch weit gefehlt: “Wenn sie nicht mehr funktionieren, lasse ich sie übernacht in Ruhe. Am nächsten Tag laufen sie dann wieder…” Aha. Dass ich dann noch die Sägen geschärft und gesäubert habe, ohne entsprechende Arbeitsanweisung von ihr, hat sie dann fast schon überwältigt…
Das alles zeigt mir deutlich, dass sie es definitiv nicht gewohnt ist, Arbeiter zu haben die selbstständig denken und arbeiten können. Und noch dazu technisch versiert sind. Doch sei es wie es sei: Ich glaube, heute ist sie froh, mich hier zu haben. Hoffentlich werden die nächsten Tage genauso…
Insgesamt merke ich, wieviel Spaß mir die Arbeit mit der Säge macht. Jetzt noch mehr als vor einigen Tagen bei Graham: Dort ging es eher um Gartenarbeit mit dem Rhododendron und ein bisschen Brennholz zurecht sägen. Doch hier geht es tatsächlich um Waldarbeit. Und es macht Freude!! Selbst das Entasten, dass mir früher quasi keinen Spaß gemacht hat, ging mir leicht von der Hand  – nicht zuletzt auch deshalb weil die kleine Stihl, eine MS 170 (glaube ich), unglaublich leicht und daher angenehm zu führen ist, selbst in der unergonomischen Körperhaltung beim Entasten.
Meine Planungen bezüglich meiner freien Woche sind etwas ins Stocken geraten: die Campingplätze sind hierzulande nicht gerade ein Schnäppchen. Für 5 Nächte müsste ich über 50 Pfund berappen, ohne E-Anschluss. Leider hat mir Rupert, mein nächster Gastgeber aus Skipness, mitgeteilt, dass er über das Wochenende nicht da sein wird und es daher ungünstig wäre, wenn ich schon so früh käme. Ungünstig, doch nicht unmöglich. Ich werde da weiter drauf rumdenken. Andererseits könnte ich in der Zeit auch meinen Abstecher nach Aberdeen machen….
Wie auch immer. Das Wetter ist gut, ich habe sturmfrei (Thea ist, wie gestern abend, arbeiten und wird erst morgen früh zurück sein) und das Internet funktioniert. Was will man mehr nach einem guten Tag?

13.8.2013 / Frustrationstoleranz
Scottish forestry

Ein Blick in das „Bestandesinnere“: Mann muss kein Forstingenieur sein um zu erkennen, dass das hier wenig mit „Wald“ zutun hat.

Was für ein Tag!
Ging eingentlich ganz gut los: Ich habe die Lärche auf der Schafweide gefällt. Und dann war erstmal Ende mit Motorsäge, beide streikten. Nach ewigem Hin und Her ging’s dann doch, wenngleich die Stihl immernoch zickt und morgen zum Service geht. Thea war überraschend lang weg: Erst gegen 14 Uhr war sie zurück. Bis dahin hatte ich die Stämme zu Pfosten aufbereitet und die Äste eingesammelt. Sie war, oh Wunder, wiedermal sehr barsch und ruppig. Doch ich habe aufgehört, ihr Widerworte zu entgegen. Meine Meinung, mein Fachwissen, all das ist hier unwichtig und ich habe auch keine Lust, ihr noch irgendetwas zu erklären. Nicken und “Jaja”. Das war für heute dann erstmal der Tiefpunkt, danach ging’s dann aber wieder bergauf: Wir sind auf’s Feld rausgefahren wo eine Tanne reingestürzt ist. Diese durfte ich dann entasten und zu Brennholz verarbeiten. Eigentlich schade: schön gerade gewachsen, BHD>45cm. Vermutlich ist es nicht einmal ihr Baum, aber da wollte ich lieber nicht nachfragen. Die Säge war schon wieder stumpf – ich unterstelle jetzt einfach mal die miese Qualität einer Billigkette, wissen tu’ ich’s aber nicht – aber ich sollte trotzdem loslegen. Na gut. Während der Arbeit ist mir dann noch besonders aufgefallen, dass Thea wohl keinen Wert auf hochwertigen Brennstoff legt: Die Abgase der Husqvarna waren kaum zum Aushalten. Eigentlich hätte ich den Job, entgegen Theas Erwartungen, noch gut bis 18 Uhr zu Ende bringen können. Der Baum ist entastet und gut die Hälfte des Stammes in 40cm Blöcke geschnitten. Fertig wurde ich dann aber trotzdem nicht: Das Öl war alle. Zwar war

im Tank der Motorsäge noch was, aber ich habe mal gelernt, bei jeder Tankfüllung das Öl aufzufüllen. Im Zweifel ist’s dann doch alle und man ruiniert die Kette. Tja, Thea war da anderer Meinung (hat mich aber dennnoch pünktlich

Feierabend machen lassen): ‘Man müsse nicht bei jeder Tankfüllung das Öl auffüllen. Der Öl-Tank sei groß genug. Das seien so Tricks die man lernt wenn man häufig damit arbeitet.’ Aha. Ja danke. Na egal. Ich hab Feierabend, kann hier in Ruhe meinen Eintrag schreiben ohne irgendwie genervt zu werden. Ich beginne langsam, dass alles als “charakterbildene Maßnahme” zu betrachten. Wenn mein Hund in Sachen Frustrationstoleranz trainiert werden kann, dann ich wohl auch. Und das lerne ich hier, leider, reichlich…
Insgesamt wundere ich mich schon, weshalb Thea vor 10 Jahren beschlossen hat, Gastgeberin für Wwoofer zu werden. Wirklich “öko” sieht, finde ich, anders aus. Beim Entrosten der Traktormaschinen: Den Rost (und das war ne Menge) wohin? Na auf die Wiese, den Boden. Öko-Öl und -Treibstoff für die Säge? Nö, zu teuer (Unterstellung). Die gepflanzten Bäumchen? Die kriegen Baumrindenmulch als Dünger. Ja super.
Es ist auch nicht wirklich so, dass sie mir etwas beibringen möchte. Beim Reparieren der Traktormaschinen musste ich von mir aus Fragen stellen wie z.B. “Was ist das? Was tut es?”. Bis jetzt habe ich hier nur gelernt, wie man eine Küh wäscht.
Ich könnte jetzt böse sein und sagen: Es geht ihr nur um billige Arbeitskraft. Bin ich aber nicht. Ich hab nur noch nicht rausgefunden, worum es ihr, neben der Arbeit, bei der ganzen Sache geht. Graham z.B. war total begeistert, wenn er etwas erklären konnte, wie z.B. das Anlegen des Steinweges.
Tja, egal. Sind ja nur noch 8 Tage, von denen 3 frei sind. Ich werd’s wohl überleben….

14.8.2013 / Working like a slave…

Okay, die Überschrift ist geringfügig übertrieben. Dazu im laufenden Text mehr. Ich beginne besser am Anfang: Gestern fragte ich Thea, wann wir heute in die Stadt fahren um die Säge zum Service zu geben. Sie sagte: Gleich am morgen. Soweit, so gut. Natürlich war auch diese Aussage von hier mit Eintreten des geplanten Zeitpunktes hinfällig. Ich musste Brennholz verladen, was wirklich keine schöne Aufgabe war. Warum? Weil etwa die hälfte des gespaltenen Holzes bereits vergammelt war. Da sie das Holz verkaufen wollte, sähe unbrennbares Holz sicher schlecht aus. War dann auch gut, dass ich das moniert habe. Sie verkauft die Tasche mit 78x78x78cm, ungeschichtet, zwischen 52 und 60 Pfund, gemischte Holzarten. Keine Ahnung, ob das viel ist oder wenig. Doch sei es wie es sei, anschließend durfte ich dann noch den Rasen mähen. Alles in allem nicht das schlechteste, aber…nunja. Sie könnte sich manchen spöttischen Kommentar durchaus verkneifen. Kommentare wie z.B. „Ja, natürlich, das ist doch offensichtlich“. Immerhin besserte sich ihre Laune dann, nachdem sie ihren ganzen Papierkram erledigt hatte. Dabei ging es um ihren Ruhestandsantrag. Der Nachmittag begann also besser als der Morgen, wir lieferten das Holz und tätigten ein paar nötige Einkäufe im Supermarkt. Beim letzten Brennholzkunden ereignete sich jedoch erstaunliches: Wir kamen lediglich um Brennholz zu liefern. Dann hieß es auf einmal, ich solle im Feld ein paar Steine der Steinmauer entfernen. Und das war nicht ihr Feld, sondern das ihrer Freunde. Da wir beide nicht mit dem unverhofften Arbeitseinsatz gerechnet hatten, hatte ich auch keine adäquate Kleidung dafür. Es fing an zu regnen, ich musste im Dreck irgendwelche Steine auflesen während sie Tee mit ihren Freunden im Haus trank. Schönes Gefühl. Da fühlt man sich schon irgendwie…billig. Als billige Arbeitskraft. Nichts weiter. Sie hätte bei mir draussen bleiben und mir helfen können. Tat sie aber nicht. Sie lässt ihren Wwoofer ohne wasserdichte Klamotten im Regen für ihre Freunde schuften. Danke dafür. Auf dem Rückweg erklärte sie mir dann

noch, dass sie häufiger Wwoofer an diese beiden Freunde ausleiht. Ich glaube nicht, dass das korrekt ist. Und ich bin schwer versucht, nach meinem Aufenthalt hier der Organisation in einer Email die Ereignisse hier zu schildern.
Weiterhin stellte sich heraus, dass sie scheinbar gar keine Ausbildung an der Motorsäge genossen hat. Sie plant, im Ruhestand die „Tickets“, wie die MS-Scheine hier heißen, zu machen. Und sie sagte auch, dass sie von 2-Takter-Motoren keine Ahnung hat. Und dann möchte sie mir erzählen, wann ich den Choke zu bedienen habe? Wie zur Hölle kann sie nur annehmen, dass sie auch nur ansatzweise soviel Ahnung über Motorsägen hat wie ich? Ich habe gesehen, wie sie ihre Kette gefeilt hat. Und dabei jedes einzelne Kettenglied mit abgefeilt hat. Der technisch weniger versierte Leser mag mir an dieser Stelle verzeihen, dass ich das nicht weiter erkläre. Aber das ist einfach falsch und könnte, schlimmstenfalls, zum Reißen der Kette unter Belastung führen. Doch zurück zum Anfang: Sie hatte mir in einem kleinen Vortrag erläutert, dass der Choke ausschließlich im kalten Winter einzusetzen sei, doch momentan ist ja Sommer und der Motor würde nicht so sehr abkühlen. Das sind bloße Mutmaßungen ihrerseits. Sie hätte durchaus Einsicht haben können und mal wenigstens erforschen, was die Dame mit dem Forstdiplom und dem großen MS Schein dazu sagt…aber nein. Ich mache es einfach grundsätzlich falsch. Dass der Typ im Service heute die kleine Stihl genauso gestartet hat wie ich es sonst tue war dann eine große Genugtuung. Obwohl sie dann noch frech behauptet hat, er hätte es zuerst ohne Choke probiert (hat er nicht, ich hab’s gesehen).
Ich finde das alles mehr als irritierend. Immerhin hat sie dann beim Abendessen meinen Vorschlag wohlwollend aufgenommen, in dem kleinen Sumpfgebiet Weiden zu pflanzen. Auch als Zaun gegen die Schafe, die da mal zum weiden rein sollen wenn der Boden einmal trocken ist. Ein kleiner Lichtblick an einem sehr sehr dunklen Ort. Dunkel für jeden, dem Biodiversität, Ökologie und ein Minimum an Respekt keine Fremdworte sind…

Mir fällt momentan auf, dass viele meiner Blogeinträge einem Ablästern nahe oder gar gleich kommen. Man mag mir dies verzeihen angesichts der Tatsache, dass ich niemanden habe um mich mal über Thea aufzuregen und etwas Dampf abzulassen.

15.8.2013 / Highland Games & Chainsaw-Pain

Ich bin fertig. Erschöpft. Genervt. Frustriert. Meine Zähne werden langsam vom ewigen Knirschen abgenutzt.
Ging eigentlich ganz gut los: Ich hab die Kette gefeilt und an dem Baum von gestern weitergemacht. Mit einer scharfen Kette ging das auch richtig gut! Jedoch lockerte sie sich immerwieder und viel zu schnell. Also wollte ich mal nachsehen. Hab den Deckel vom Gehäuse des Schwertes abgemacht. Tja, und leider dabei vergessen, die Kettenbremse zu lösen. Doof. Also ging der Deckel nicht wieder rauf. Hab’s ne Stunde lang versucht, keine Chance. Also losgedackelt zu Thea. Die hat mir erstmal einen Vortrag gehalten, dass Stihl und Husqvarna komplett identisch seien. Hat mich in dem Moment sehr wütend gemacht, allerdings fand ich dann heraus, was sie damit meinte: Nämlich lediglich die zwei Schrauben, die gelöst werden müssen um Deckel und Schwert zu entfernen. Dass der Mechanismus innen drin anders ist hatte ich gemeint. Aber egal. Ich hab mir noch überlegt ob ich ihr das erklären solle. Hab’s dann aber gelassen. Soll sie mich doch für einen Idioten halten, mir egal.
Während unseres Mittagessens habe ich dann darum gebeten, ihr dabei zusehen zu dürfen wie sie die Innenteile der Säge auseinander nimmt. Sie war erst strikt dagegen. Hatt’s mir dann aber doch erlaubt. Und siehe da: ich hab tatsächlich etwas gelernt! Nämlich erstens, dass man bei einer Husqvarna den Gehäusedeckel niemals abnimmt wenn die Kettenbremse drin ist. Und zweitens wie man es hinkriegt, das Gehäuse wieder drauf zu kriegen falls man es doch mal gemacht hat. Yay.

Langholz

Entastet – ja. Mangels Wendehaken jedoch nur auf der einen Seite.

Ich durfte dann erstmal in der Schafweide die Pfosten fertig machen. War schnell erledigt. Sie hat in der Zwischenzeit ferngesehen und telefoniert. Dann ging’s wieder raus. Mit dem Baum bin ich jetzt fertig. Aber ich bin trotzdem frustriert. Weshalb? Weil: Der Baum liegt da seit zwei Jahren auf der matschigen Wiese. Ich habe kein Werkzeug wie z.B. einen Fällheber zur Verfügung, um ihn zu drehen. Da der Baum halb in den Boden eingesunken war tat ich mich reichlich schwer mit den Trennschnitten, weil in den Boden sägen ist immer doof. So sehen dann auch die Schnittkanten an den Holzklötzen aus: Scheiße. Und weil Thea vergessen hat, gestern im Laden neues Öl für die Kette zu kaufen und ihr Ersatz, einfaches Motorenöl, zu flüssig ist und der Verbrauch dementsprechend zu hoch ist, läuft die Kette viel zu schnell heiß und fängt an das Holz zu verbrennen. Ein sauberer Trennschnitt? Fehlanzeige. Wenn sie das sieht, wird sie mich garantiert für unfähig halten. Aber sie wird es wohl nicht sehen solange ich noch hier bin, sodass ich nicht in die unangenehme Situation komme, mich rechtfertigen zu müssen.

Insgesamt geht mir ihre Arroganz gehörig auf die Nerven. Keine Ahnung von Motorsägen aber immer alles besser wissen. Keine Ahnung von der Jagd haben aber behaupten, dass britische Jäger so dolle Schützen seien dass sie IMMER Blatt treffen. Ansonsten ließe man sie ja nicht raus jagen gehen. Aha. Danke fürs Gespräch.

Mittlerweile bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass sie mir einfach nichts beibringen möchte. Sie möchte einfach nur, dass ich meine to-do-Liste abarbeite, und die meisten Punkte darauf sind Motorsägengeschichten. Sie hat so ein schickes Gerät, eher eine Einspannvorrichtung, um die Kette zu feilen. Ich habe sie heute mehrfach gefragt, ob sie mir das nicht zeigen möchte wie das geht. Und deutlich gemacht, wie sehr mich das interessiert. Doch das dauert ihr zu lange. Gestern hat sie steif und fest behauptet, ich könne mir „all das hier“, damit meint sie das Zimmer, die Dusche und das Essen, nicht leisten wenn ich es bezahlen müsse. Aha. Fakt ist: Sie könnte sich mich nicht leisten, selbst wenn ich die MS Arbeit unter Wert verkaufen würde. Und wenn wir nur 20 Euro pro Stunde rechnen würden: das wären 140 Tacken am Tag. Dafür könnte ich locker ein richtig schickes Hotelzimmer inkl. gutem Frühstück bekommen. Ich weiß wirklich nicht, was bei ihr wann falsch gelaufen ist. Aber eine derartig verzerrte Realitätswahrnehmung ist erstaunlich…

Immerhin habe ich eine sehr wichtige Sache bei meinem Schottlandaufenthalt insgesamt gelernt: Ein deutscher Forstingenieur sollte sich hier nicht als „forester“ verkaufen. Das wäre unter Wert. Und erschafft falsche Erwartungen beim Gegenüber. Thea hat sich in den Kopf gesetzt, lediglich einen unwahrscheinlich kleinen Bruchteil meiner Fähigkeiten und meines Fachwissens zu nutzen. Da kommt ein Förster zu jemandem, der Wald besitzt, und darf ausschließlich sägen. Tagein, tagaus. Dass ich ihre Bestände auszeichnen und durchforsten könnte kommt ihr gar nicht in den Sinn, weil die hiesigen Förster das auch gar nicht machen. Pflanzen, Kahlschlag.

Nur noch 6 Tage. Und theoretisch sind 3 davon frei, wenngleich ich irgendwie Zweifel hab, dass Thea das genauso sieht. Aber das mag auch einfach nur ein kleines Missverständnis heute gewesen sein. Ich werds schon sehen. Momentan bin ich einfach nur froh, im Trockenen zu sein, mein Bier und eine funktionierende Säge zu haben. Und falls ich mir je eine ordentliche Säge werde leisten können: Stihl. Bloß keine Husqvarna…

16.8.2013 / Weekend!

Erledigt. Ich durfte heute den ganzen Tag Brennholz machen. Aus auf etwa 1,5m gekappten Thuja- und Hemlockstümpfen. Das macht wirklich keinen Spaß. Große Säge und keine Arbeitsplattform, ergonomische Hölle. Nach dem Lunch gab es dann wieder einen kleinen Krach zwischen mir und Thea, der durchaus hätte ausarten können. In der Früh, während sie unterwegs und ich bereits am Arbeiten war, bemerkte ich dass die Husqvarna sich nicht mehr ausschalten ließ. Kein großes Problem eigentlich, sooft muss man eine Säge während der Arbeit ja nicht ausstellen. Und falls doch, habe ich den Choke reingemacht und sie absaufen lassen. Anschließend konnte ich sie immerwieder problemlos starten. Dann kam Thea. Wir hatten Lunch und ich wäre dabei sehr dankbar für ein 20minütiges Schläfchen gewesen. Gab es aber nicht. By the way: Sie kalkuliert zwar eine Stunde Mittagspause, gehabt habe ich die effektiv aber nur, wenn ich allein war. Mit ihr zusammen schrumpft die Stunde auf etwa 20 Minuten. Aber egal. Wir also wieder zurück an die Arbeit und ich wollte ihr das Problem zeigen. Und dann ist sie ausgerastet: „Warum hast du mir das nicht beim Lunch gesagt? Jetzt muss ich die Säge zum Pick up und den Werkzeugen zurück und wieder hin tragen (# 200m Distanz). Hat man dir im Lehrgang nicht beigebracht dass so was gefährlich ist?“ Ich: „Die Kettenbremse funktioniert, da ist nichts gefährliches dabei…“ Sie: „Ein Motor der sich nicht ausschalten lässt ist gefährlich aber du hattest ja den tollen Lehrgang…“ usw.
Dann hat sie leider anhand meiner Körpersprache mein Zähneknirschen bemerkt und es sofort übertrieben interpretiert. Ich habe sie dann darauf hingewiesen, dass es lediglich ihre Rückschlüsse seien und wenn sie sicher sein wolle was ich denke dann wäre es besser mich danach zu fragen. Das war leider gar nicht hilfreich.
Immerhin hat sie den Schalter reparieren können, ein einfacher Kurzschluß, nichts dramatisches. Aber bis dahin war ich innerlich schon beim gepackten Auto und dem Weg zum nächsten Campingplatz. Warum ich noch hier bin? Weil Thea, trotz allem, einen wirklich sehr charmanten Charakterzug aufweist. Nämlich den, dass sie nicht nachtragend ist. Als die Säge repariert war, war sie wieder richtig gut gelaunt. Sie hätte sich noch entschuldigen dürfen aber das wäre wohl sehr viel verlangt gewesen. Diese eine Eigenschaft von ihr ist es, was mich die letzten Tage hiergehalten hat. Sie kann sehr freundlich und bisweilen sogar lustig sein wenn sie möchte und dabei spielt’s dann auch keine Rolle, ob sie vorher ausgeflippt ist. Das ist wirklich sehr westfälisch von ihr…

Gartenarbeit mit der MotorsägeNieder mit den Thujen!Die Arbeit anschließend lief gut. Thea war am Ende sehr zufrieden mit mir. Ich habe sie beobachten können wie sie mit der kleinen Stihl, die heute aus der Werkstatt zurück war, hantierte. Natürlich ohne jede Schutzbekleidung. Jemand, der so wahnsinnig viel Erfahrung mit Sägen hat sieht anders aus. Um mir eine Abwechslung zu ermöglichen schlug sie mir vor, dort weiter zu machen wo sie mit der kleinen Säge angefangen hatte. Nämlich am Zaun entlang Äste abschneiden. Leider waren die alle über Kopfhöhe und ich habe ihr dann erklärt, dass ich das nicht mache. Das gab dann fast wieder Grund zum Streit und für mich noch mehr Grund zum Zähneknirschen: Sie sagte nämlich, dass man als Anfänger so etwas nicht machen soll aber wenn man genug Erfahrung damit hätte wäre das kein Problem. Sprach die Frau ohne Motorsägenkurs. Ich fing dann mit der fehlenden Schnittschutzjacke an, die aber angesichts ihrer Jeans auch kein passendes Argument war. Nungut. Es ist nicht meine Haut und sie war intelligent genug, es nicht drauf anzulegen sodass ich weiter sicher arbeiten durfte.
Thea hat mich zum „Lagerfeuer“ eingeladen. Ein echtes Lagerfeuer ist das freilich nicht sondern lediglich die Entsorgung der angefallenen Grünabfälle. Klang dennoch erstmal verlockend bis sie meinte, sie würde nicht am Feuer sitzen sondern arbeiten. Und erst spät zurück kommen. Da hab ich dann dankend abgesagt. Ich glaube, sie ist deshalb ein bisschen sauer. Mir aber egal. Ich liebe Lagerfeuer über alles, aber bitte keine riesigen Haufen brennender Grünäste…

Ich habe jetzt frei bis Montagmorgen. Und der Tag meiner Abreise ist ebenfalls frei. Ich würde gerne den Botanischen Garten besuchen und den Ben More, der um die 750m hat, hinaufwandern. Mir eine Zeitung an der Tankstelle kaufen. Und joggen gehen. Joggen wäre vielleicht nicht die schlechteste Idee, als Ausgleich zur Arbeit mit der Säge, die mir besonders heute tierisch auf den Rücken gegangen ist….

17.8.2013 / Inveraray Castle

Der Empfehlung meines guten Freundes Thorsten folgend habe ich heute einen Ausflug nach Inveraray Castle gemacht. Eine wirklich schöne Burg und ich finde es an dieser Stelle sehr schade, dass das Internet nicht fix genug ist um die Bilder hochzuladen. Ich hoffe, dies in naher Zukunft nachholen zu können. Ein echter Augenöffner ist der hohe Raum, in dem wirklich schön und beinahe mosaikartig unzählige Waffen an den Wänden angeordnet sind. Hellebarden, Musketen, Schwerter – alles da. Leider durfte der Hund nicht mit rein, weshalb meine Besichtung etwas kürzer ausfiel. Den wartenden Hund im Hinterkopf kann ich nicht stundenlang durch ein Museum bummeln.
Der war aber zuvor schon auf seine Kosten gekommen: Um die Anlage herum führt ein netter Weg durch Wälder und Wiesen, den wir ausgiebig für einen Spaziergang nutzen konnten. Hat sich schon ein wenig wie der West Highland Way angefühlt…

Das tollste an meinem Ausflug aber war nicht etwa die Burg oder der Spaziergang sondern der Umstand, dass ich pünktlich zum freien Wochenende Tartan einkaufen konnte. Vielleicht nicht die allerbeste Qualität, aber für 25 Pfund pro Laufmeter kann man nicht meckern. Die Auswahl war leider nicht besonders groß, also habe ich mich für den Tartan der „Black Watch“ entschieden. Nun habe ich den Nachmittag fleissig damit verbracht, Musik zu hören und meinen neuen Jagdrucksack zu nähen. Die Damen in dem Geschäft waren auch so nett, mir noch Nadel und Faden zu schenken. Das Nähen geht gut von der Hand, wenngleich ich keine Zweifel habe, dass ich in meinen freien Tagen nächste Woche noch gut zutun haben werde ehe ich an die Lederapplikationen gehen muss. Mal schauen, ob ich dafür genug Leder dabei habe…

Insgesamt ein guter, schöner Tag. Mein Rücken hat sich von den Strapazen der letzten Tage erholt und ich bin guter Dinge. Heute Abend gibt’s zum Dinner Hühnchen, Erbsen aus dem Garten und Pommes. Auch eine gute Sache im Vergleich zu der doch eher kargen Kost der letzten Tage.

Gerade eben hat sich etwas Erstaunliches begeben: Ich war mit dem Hund kurz vor der Tür. Aufgeregt folgte er einer Spur am Boden, die ihn zur Kuhweide und einer Katze auf der anderen Seite des Zaunes führte. Diese sprang dann angesichts des Hundes auf den Zaunpfahl, hat einen Buckel gemacht und sich vom Hund anbellen lassen. Der ist dann etwas aufgeregt und bellend hin und her gerannt um am Ende wieder vor dem Pfosten zu stehen und die Katze, welche dieses Theater mit einem Fragezeichen über dem Kopf mitverfolgte, weiter anzubellen. Scheinbar hatte sie jedoch genug davon und ging zum Angriff über! Vom Pfosten, der fast Mannhöhe hat, sprang sie den Hund an der sogleich die Flucht ergriff. Einige Meter hat sie ihn dann gejagt und blieb dann im hohen Gras sitzen während Whisky aufgeregt und eingeschüchtert zu mir gelaufen kam und sich hinter mir vor der bösen Katze, die Hunde jagt, versteckte! Ich konnte mich nicht halten vor Lachen…
Man braucht also keinen Fernseher um gut unterhalten zu werden. Ein großer, mutiger Jagdhund der sich von einer Katze scheuchen lässt reicht auch schon aus…

18.8.2013 / Traktorfahren

Eigentlich hatte ich heute frei. Eigentlich. Theas Pläne waren andere. Ich habe sie die Tage nach der Einführung ins Traktorfahren gefragt, eine Erfahrung, die ich unbedingt noch mitnehmen wollte. Und natürlich musste das ausgerechnet heute stattfinden weil ansonsten die Zeit fehlte. Also bin ich Traktorgefahren. Ein gutes Gefühl dabei hatte ich nicht. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn Thea bei meinen ersten Fahrversuchen neben mir auf dem Trekker gestanden wäre. Hat sie aber nicht. Sie hat es erklärt und mich dann rauf und runter fahren lassen. Ein paar Wende- und Anhängmanöver später durfte ich ihr dann folgen. Sie ist im Pick-up vorgefahren zur Farm und ich hinterher. Den Traktor brauchen wir nämlich morgen um das Holz zu spalten. Ich hatte auf der Fahrt die ein oder andere unschöne Begegnung mit einem Schlagloch. Denn zumindest dieser Traktor hatte nicht wirklich Stoßdämpfer, sodass jedes Loch unmittelbar an mein Gesäß weitergeleitet wurde.

Den Rest des Tages habe ich damit verbracht meinen Rucksack weiter zu nähen. Das macht derzeit unglaublich viel Freude. Ich habe den Stoff doppelt genommen und bin mit dem Saum bei einer der zwei kurzen Seiten fertig. Die lange Seite mit beiden Stoffkanten wird ordentlich versäubert und so für die Kappnaht vorbereitet. Weil das etwa 120cm sind nähe ich immer abwechselnd ein Stück einfachen Saum und ein Stück Versäuberung. Die Kappnaht wird noch lustig, zumal ich natürlich meine Stecknadeln zuhause vergessen habe und lediglich auf die 10 Sattlernadeln zurückgreifen kann, die bisher ihre Aufgabe noch ganz gut erfüllen. Dieser Rucksack wird etwas kleiner als mein letzter – der war dazu gedacht, im Zweifel ein ganzes Reh transportieren zu können. In der Praxis habe ich das jedoch nicht besonders oft gemacht und für den normalen Ansitz ist so ein riesiger Rucksack bisweilen etwas unübersichtlich. Allerdings habe ich keine Zweifel daran, dass der doppelte Tartanstoff auch das Gewicht eines Rehs aushalten würde, wahrscheinlich sogar besser als der günstige Loden den ich bei meinem ersten Modell verwendet habe. Vielleicht wird dann der dritte Rucksack aus Tartan für optionalen Rehtransport.

Ich bin auf das kommende Dinner sehr gespannt. Heute habe ich für mich und Thea Hirschgulasch gekocht. Ich bereite mich ja mental schon darauf vor, dass sie etwas zu meckern haben wird. Das hat sie nämlich immer. Aber egal. Die letzten Tage haben mich auf diesem Ohr gut taub gemacht. Unqualifizierte Kommentare, und als solche würde ich die meisten ihrer abfälligen Äußerungen einordnen, kann ich mittlerweile wirklich gut ignorieren. Innerlich spiele ich dann immer Beethovens Siebte und lass’ sie reden…

Momentan sieht der Plan für morgen wie folgt aus: Wir werden zwei Löcher für Pfosten graben, dann lässt sie mich gegen Mittag/Nachmittag allein weil sie arbeiten muss. Ich darf in der Zwischenzeit die Zaunpfosten, die ich letzte Woche gesägt habe, entrinden und den Brennholzschuppen einsatzbereit machen. Und vielleicht komme ich auch dazu, das Holz zu spalten – dafür brauchten wir den Trekker. Thea hat nämlich so eine schicke Spaltmaschine und ich bin durchaus neugierig auf dessen Einsatz…

19.8.2013 / Vorletzter Tag

Zu meiner großen Freude muss Thea heute arbeiten, d.h. sie ist seit heut Mittag bis morgen gegen 17 Uhr fort. Und ich allein. Herrlich! Ich habe eine überschaubare Anzahl an Jobs bekommen und kann mir diese so einplanen wie ich möchte. Fast alle sind erledigt: Ich habe die Pfosten entrindet und den Brennholzschuppen repariert. Morgen steht dann noch das Spalten an, als einzige Tagesaufgabe. Doch die Menge an Holz ist nicht so atemberaubend viel, lediglich der Spaltvorgang mit der Maschine dauert recht lang. Heut Vormittag wollten wir eigentlich Löcher buddeln, allerdings hat sie ein dafür benötigtes Werkzeug vergessen bzw. nicht gefunden. Dafür haben wir eine Runde gemacht um die Kühe zu zählen und siehe da: Eine Kuh fehlte. Die hatte sich nämlich in den nahen Wald zurück gezogen um dort ihr Kalb zu gebären…Mutter und Kalb sind wohlauf und ich hatte Gelegenheit, das gerade einmal wenige Stunden alte Wunder aus der Nähe zu betrachten. Es ist schon beeindruckend, wie fertig und komplett die sind, wenn sie auf die Welt kommen, im Vergleich mit uns Menschen oder anderen Raubtieren.

Die Reparatur des Schuppens gestaltete sich abenteuerlicher als mir lieb war: Mutterkuh und drei Kälber sind auf der gleichen Wiese wie der Schuppen. Das allein ist jetzt noch nicht sonderlich problematisch. Allerdings musste ich Whisky unten am Tor festbinden. Brea, die Border Collie Dame der Hausherrin, hat ihm Gesellschaft beim Rumliegen geleistet und so war er friedlich. Bis die Mutterkuh dann der Meinung war, zum Grasen zum Tor zu spazieren. Und dort den Hund sah. Und neugierig näherkam, bis ganz ans Tor heran. Ich konnte Whisky schon bellen hören und eilte hinab. Um die Sicherheit meines Hundes fürchtete ich nicht, allerdings vermochte ich die Reaktion der Kuh nicht einzuschätzen. Als ich dann endlich bei ihm war – in der Zwischenzeit war er ganz still geworden – betrachtete die Kuh ihn und mich neugierig und Whisky zitterte am ganzen Leib vor Angst… Ansonsten ging’s ihm aber gut. Ich habe ihn mit ein paar „Bei Fuß Gehen“ Übungen wieder beruhigt, „aus der Situation rausholen“ nennt das der Fachmann. Und anschließend war er ganz froh, ins Haus zu dürfen.

Heut Vormittag durfte ich dann noch staubsaugen. Und zu meiner großen Überraschung zeigte sich Thea endlich mal zufrieden. Mehr als zufrieden, für ihre Verhältnisse schien sie schon fast überwältigt. Sie ist es nicht gewohnt, meinte sie, dass jemand Dinge, die im Weg sind, wegräumt anstatt einfach drum herum zu saugen… Dementsprechend schaut’s dann mal auch aus.

Während des Entrindens hat mir für kurze Zeit eine Riesenholzwespe, die just in der Rinde Eier ablegen wollte an der ich gerade zugange war, Gesellschaft geleistet. Ein Foto davon folgt, sobald das Internet mal etwas schneller ist. Ich hoffe, dass dies spätestens am Mittwoch der Fall sein wird, wenn ich südlich von Skipness auf dem Campingplatz mit kostenlosem Wi-Fi bin. Ich freue mich derzeit sehr auf meine kleine Pause, die ich mir, so finde ich, nach meinem Aufenthalt hier auch redlich verdient habe.

Ich werde Stonefield sicher keine Träne nachweinen. Die Zeit hier war lehrreich, jedoch weniger im Sinne des eigentlichen Wwoofing-Programms. Dahingehend habe ich hier recht wenig gelernt, was sich wirklich lohnt mitzunehmen. Aber ich habe hier gelernt, was es bedeutet der Arsch zu sein. Obwohl man’s besser weiß. Und was Respekt und Verständnis bedeutet – vor allem, wenn beides fehlt. Irgendwann wird mir das vielleicht helfen, ein richtig guter Vorgesetzter zu sein.

20.8.2013 / Aufbruchstimmung

Mein letzter Arbeitstag liegt hinter mir. Das Holzspalten ging recht gut und da ich Theas Anweisung, einfach alles in den Schuppen zu werfen, ignoriert habe und das Holz sauber geschichtet habe passte auch alles hinein. Das Holz vom älteren Haufen war teilweise schon verbrannt, aber das wird Thea wohl kaum stören. Ihre Kunden vielleicht, aber das ist nicht mein Problem. Mein Fazit zur Spaltmaschine: Es ist verhältnismäßig aufwändig, allerdings bekommt man so jeden Holzklotz sauber gespalten sodass man hinterher halbwegs identische Scheite hat. Allerdings lohnt so eine Investition wohl wirklich erst dann, wenn man entweder ausschließlich mit Holz heizt oder aber plant, das Holz zu verkaufen.

Und sonst? Ich werde meine Packorgie auf morgen früh verlegen da es draussen in Strömen regnet. Nach wie vor freue ich mich sehr auf meinen Aufbruch, auf die Fahrt nach Skipness und meine freie Zeit. Wenn alles so läuft wie geplant, werde ich am Sonntag dort anfangen. Ganz sicher ist das jedoch nicht, da Rupert, mein dortiger Gastgeber, am Wochenende fort ist und mir bei seiner Tante, der Estate Managerin, einen Gartenjob organisieren möchte. Ich hoffe sehr, dass das klappt weil ich so erstens das Geld für weitere Übernachtungen auf dem Campingplatz sparen kann und zweitens die Tante besser kennen lernen werde. Als Estate Managerin könnte sie ja vielleicht Bedarf und Kapazität für einen deutschen Förster haben…

Und der Hund? Der ahnt noch nichts. Naja, ein bisschen vielleicht, weil ich heute früh die erste Kiste gepackt und verladen habe. Er hatte hier nicht ganz soviel Action und Bewegung wie in Carroch. Zum einen wegen der Kühe und zum anderen wegen der Motorsägenarbeit. Die meiste Zeit musste er an der Leine verbringen. In Carroch hingegen konnte er ja frei herumspringen, da das ganze Gelände eingezäunt war. Einen großen Unterschied hinsichtlich seines Verhaltens sehe ich jedoch nicht. Lediglich, dass er in Carroch abends recht schnell eingeschlafen ist während er hier nur faul herumliegt und darauf wartet, dass etwas passiert. Dennoch ist er die meiste Zeit ruhig und entspannt.

Ich bereue nicht wirklich, dass ich die zwei Wochen hier durchgezogen habe. Wie schon gesagt, viel gelernt habe ich hier zwar nicht, aber es ist am Ende doch ein besseres Gefühl, sich an eine Abmachung gehalten zu haben und in Frieden auseinander zu gehen. Ich glaube, ich hätte sicher einen besseren Gastgeber haben können. Ich hätte die letzten zwei Wochen auch noch bei Graham verbringen können. Doch wirkliche Zeitverschwendung war Stonefield Farm nicht. Ich habe Kühe gewaschen. War mit Whisky auf einer Hundeausstellung. Habe gelernt, wie man bei einer Husqvarna den Deckel trotz blockierter Kettenbremse wieder drauf bekommt. Wie man Traktor fährt. Und vor allem konnte ich mal wieder meine Erfahrungen mit der Säge auffrischen.

Meinen Abend werde ich mit zwei Bier, meinem Rucksack und der Musik meines Laptops verbringen, mit gutem Gefühl ins Bett gehen und hoffen, dass Skipness nur halb so gut wird wie es den Beschreibungen zufolge sein könnte.

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