Schottland 2013

  • Vorbereitung und Planung meines WWOOFing-Aufenthaltes in Schottland 2013
  • Anreise mit dem Auto inkl. Hund
  • Ausführlicher Bericht unter „Die Stationen“

Wir schreiben das Jahr 2013. Mir fiel gewissermaßen die Decke auf den Kopf und auf den Tipp eines guten Freundes und erklärten Weltenbummlers hin wagte ich mich an mein erstes großes Abenteuer: Work&Travel in Schottland. Bei der Organisation meines kleinen Ausflugs war die Plattform WWOOF UK ungemein hilfreich. Dort kann man nach einer kleinen Anmeldegebühr auf eine Datenbank von Gastgebern in Großbritannien zugreifen, die alle bereit sind nach dem Hand-gegen-Koje-Prinzip fremde Menschen aufzunehmen. Dabei spielt sich die Arbeit, die man dort leistet, im grünen Bereich ab: Wer bereit ist zu gärtnern oder in der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft oder im Gemüsebau auszuhelfen ist dort an der richtigen Adresse. Dabei spielt es auch keine große Rolle, wieviel Erfahrung man mitbringt. Zur Not wird man eben angelernt. Im Gegensatz zum klassischen Work&Travel gibt es auch keine Altersbegrenzung – man sollte nur halbwegs fit sein um seinen Gastgebern eine Hilfe zu sein.

Meine Vorbereitungen für diesen Tripp begannen Ende März und waren rückblickend sehr überschaubar: Mit Hilfe der Datenbank suchte ich mir drei Gastgeber heraus, die meinen Präferenzen entsprachen. Es handelte sich in meinem Fall um Waldbesitzer, die alle sehr entlegen angesiedelt waren und bei denen ich meinen Hund würde mitnehmen können. Den Zeitpunkt meiner Abreise setzte ich beinahe willkürlich auf Mitte Juli fest. Ich kontaktierte meine Gastgeber per Email, stellte mich kurz vor und bekam von allen dreien Zusagen. Meine Aufenthaltsdauer sollte insgesamt drei Monate betragen. Da ich meinen treuen Hund mitnehmen und mir auch das Höchstmaß an Freiheit und Unabhängigkeit erhalten wollte plante ich die Anreise mit dem eigenen Auto. Großartige weitere Anschaffungen waren nicht von Nöten, ich musste lediglich etwas Geld zusammen sparen. Die Reiseroute verlief vom Allgäu aus durch Frankreich nach Calais, von dort setzte ich mit der Fähre nach Dover über und dann immer gen Norden nach Schottland. Zu meinem ersten Aufenthalt in Carroch musste ich gut 1 500km zurück legen.

Planung & Umsetzung

Folgende Punkte habe ich in Deutschland organisiert:

  • Ich suchte nach passenden Gastgebern, s.o., und vereinbarte mit ihnen die Zeitfenster.
  • Ich kündigte meine gesetzliche Krankenversicherung und schloss für den Zeitraum meiner Reise eine Auslandskrankenversicherung ab.
  • Die Agentur für Arbeit musste ebenfalls informiert werden. Ich hätte zwar theoretisch Anspruch auf Arbeitslosengeld gehabt, allerdings nicht im Ausland. „Man muss dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“, erklärte mir mein Berater.
  • Die Rückbank meines Autos baute ich aus, sodass ich auch mit Gepäck und großem Hund im Notfall darin würde schlafen können. Gebraucht habe ich diese Option tatsächlich einmal, bei der Anreise.
  • Ich suchte mir für die Hinfahrt über Blablacar einen Mitfahrer. Das war recht angenehm, würde ich heute wieder machen.
  • Wegen meines Hundes musste ich vorher mit ihm zum Tierarzt. Die Tollwutimpfung musste aufgefrischt werden und 48h vor der Abreise wurde er unter Aufsicht des Arztes entwurmt. Mehr zur Einfuhr von Hunden nach Großbritannien.

Heute würde ich noch das Ticket für die Fähre in Calais auch schon vorher im Internet buchen – das kommt deutlich günstiger, als einfach dort auftauchen und die nächste Fähre nehmen. Auch die Übernachtungen während der Anreise – einmal in Frankreich, einmal in Schottland – würde ich vorher organisieren.

Es würde an dieser Stelle jetzt deutlich zu weit führen wenn ich wirklich alles, was ich mitgenommen habe, hier aufliste. Ich beschränke es deshalb mal auf die wichtigen Dinge:

  • Zelt, Schlafsack, Iso-Matte, Spirituskocher. Für den Fall, dass ich in Schottland stranden würde, wollte ich gerüstet sein. War auch notwendig, denn ich hatte zwischen Gastgeber 2 (Thea in Stonefield) und Gastgeber 3 (Rupert in Skipness) eine Woche „Urlaub“, die ich tatsächlich nach meinen Erfahrungen in Stonefield auch dringend gebraucht habe. Aber dazu mehr im Tagebuch.
  • Hundefutter für 30 Tage.
  • Personalausweis. Sowohl für die Einreise als auch für die britische Prepaidkarte, s.u.
  • Schnittschutzbekleidung. Da ich mich in meinen Emails als Förster und erfahrenen Motorsägenführer geoutet hatte ging ich davon aus, dass meine Gastgeber dies wohl nutzen würden. Und da Sicherheit, zumal noch die eigene, an oberster Stelle steht wollte ich meine Gesundheit lieber meiner eigenen Ausrüstung anvertrauen als einer Leih-Montur.
  • Nähzeug und Multitool. Ersteres erwies sich als nützlich um meine bald schon lädierte Kleidung zu richten und mir die Zeit zu vertreiben. Das Multitool war und ist ohnehin mein teurer Begleiter, egal ob gerade auf großer Fahrt oder zuhause: Braucht man es nicht, nimmt es wenig Platz weg. Braucht man es doch, ist es kaum mit Gold aufzuwiegen.
  • Mein Smartphone. Ich verwendete damals ein Sony Xperia Go. Damit sind auch die Bilder entstanden, die ich hier online gestellt habe. In Dover habe ich mir gleich eine britische Prepaid-Karte dafür besorgt. Das war ganz problemlos und die Tarife für mobile Surfing und nach-hause-Telefonieren kann man durchaus als kostengünstig bezeichnen. Zumal man auf der Insel in jeder Tankstelle das Guthaben aufladen kann.
  • Ein Ultrabook. Hat mir mit dem Internetzugang meiner Gastgeber die Abendunterhaltung ermöglicht, ebenso wie das Führen eines digitalen Tagebuches.

Dieser Liste habe ich auch heute kaum etwas hinzuzufügen. Eine gute Kompaktkamera wäre noch schön gewesen. Dafür hat nur leider im Vorfeld das Geld gefehlt.

Das abschließende Fazit zu meinem Aufenthalt lässt sich in einem Fast-Wort zusammenfassen: Wow! Es war eine unglaubliche Erfahrung, ein großes Abenteuer und meistens ein Heidenspaß. Eine solche Erfahrung, diese Art des Reisens, des Miteinander-Arbeitens, ist in keiner Weise vergleichbar mit einer Pauschalreise. So lernt man das Land und die Menschen wirklich kennen. Im Übrigen haben meine späteren Arbeitgeber diesen Punkt in meinem Lebenslauf durchaus zu würdigen gewusst – auch wenn es für das Fach „Lebenserfahrung“ weder Note noch Zeugnis gibt.

 

 

 

 

 

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