Point Sands & Skipness

Point Sands

21.8.2013 / Verdiente Pause
Bester Campingplatz

Auto, Zelt, Hund – und hinter der Böschung ein paar Meter Strand und dann das Meer. Seele baumeln lassen, ein Leichtes an diesem Ort!

Nach einer recht abenteuerlichen Fahrt quer durch die Highlands bin ich endlich an meinem Etappenziel angekommen. Point Sands ist ein kleiner beschaulicher Campingplatz an der Westküste mit Blick auf die Isle of Gigha. Hier werde ich die nächsten Tage im Müßiggang verbringen.
Der Hund hatte heute schon seine allererste Erfahrung mit dem Wasser, das mal näher kommt und wieder flieht. Nach anfänglicher Unsicherheit, die mit Anfeuern entkräftet wurde, zeigte er die ihm eigene Wasserliebe auch gegenüber dem Salzwasser. Heute Abend plane ich mir selbst eine Premiere: Ich werde am Strand ein Feuerchen machen und mein mitgebrachtes Bier trinken.
Der nächste Pub, Ferry Inn, ist etwa 3 Meilen entfernt. Das werde ich dann die nächsten Tage in Angriff nehmen.

22.8.2013 / Enjoying myself

 

Die Nacht im Zelt verlief ganz hervorragend. Damals, mit Nancy auf dem WHW, war es etwas eng, zumal mit Gepäck. Aber für eine Person ist das Husky Flame völlig ausreichend. Der Hund hat im Vorzelt Platz gefunden und sich auch gleich zusammengerollt. Entgegen unserer ersten Nacht in Frankreich hat er auch nicht versucht, aus dem Vorzelt “auszubrechen”. Am Vormittag gab’s dann einen kleinen Ausflug ins Dorf Tayinloan. Der Weg dorthin war besonders für den Hund eine große Freude, direkt am Strand entlang konnte er frei springen, Vögel jagen und im Wasser planschen. Das Dorf selbst ist keine besondere Sehenswürdigkeit, aber ich brauchte unbedingt Kaffee und andere Kleinigkeiten. Meinen Speiseplan für die nächsten Tage habe ich dann auch gleich erweitern können: Instant-Kartoffelbrei und Hackfleisch mit Zwiebeln aus der Dose werden eine nette Abwechslung zu den Tortellini sein.
Das Wetter hat es heute ganz besonders gut mit mir gemeint: strahlender Sonnenschein und leichter Wind. Da macht es Freude auf einem Campingplatz zu sein. Ich habe nach meinem wohlverdienten Kaffee dann gleich die Gelegenheit genutzt und eine Stunde damit verbracht, einfach nur auf einer Decke zu liegen und nichts zutun. Auch mal schön, zumal der Campingplatz sehr still und friedlich ist. Das einzige was man hört ist die Brandung, der Wind und vielleicht mal ein paar Stimmen der Nachbarn. Aber niemand hört Musik, niemand schaut TV. Ich hoffe sehr, dass das Wetter so bleibt. Dauerregen könnte meinen Aufenthalt hier, zumal mit Hund, ziemlich ruinieren.
Heute Abend plane ich erneut ein Lagerfeuer am Strand. Gestern lief’s ganz gut – wenngleich ich beschämt zugeben muss, erhebliche Schwierigkeiten beim Anfeuern gehabt zu haben. Nach ziemlichem Hin und Her und unter zuhilfenahme von Papier und Spiritus ging’s dann. Heute versuch ich mal wenigstens auf den Spiritus zu verzichten. Doch es scheint, als wäre das Starten des Feuers am Strand eine ganz eigene Herausforderung…
Den Rest des Nachmittags habe ich dazu genutzt, endlich mal meine Stiefel zu polieren und meine reperaturbedürftigen Klamotten rauszulegen. Einige meiner Hosen müssen dringend genäht werden – allerdings habe dich die auch in diesem Zustand bereits mit hergebracht. Die Arbeit am Rucksack hat den anspruchsvolleren Teil erreicht: Die Kappnaht. Das macht nicht ganz soviel Spaß, muss aber sein damit er später auch etwas aushält.
Da ich gerade etwas Zeit habe und ich mich seit längerem mit diesen Gedanken auseinander setze, hier mal eine kleine Abhandlung über:
“Ich packe meinen Koffer für einen Wwoofing-Aufenthalt in Schottland”
Leatherman bzw. Qualitäts-Multitool
Sollte man eigentlich immer dabei haben. Unglaublich nützlich, der kleinste Werkzeugkoffer der Welt, immer am Mann.
Dubarry-Stiefel bzw. Gummistiefel
Gut, es müssen keine Goretex-Lederstiefel sein. Aber falls man ein Paar gut passender Gummistiefel besitzt, sollte man diese einpacken. Teilweise verbringt man doch den gesamten Tag darin. Zwar stellen die Gastgeber teilweise auch die Stiefel, aber die haben natürlich nicht alle Größen vorrätig.
Jogginghose
Jup, eine Standard-Baumwoll-Jogginghose für das gepflegte Faulenzen nach Feierabend.
Badelatschen
Fußbodenheizungen scheinen hier unbekannt zu sein und vor allem auf den älteren Farmen darf man sich auf kalte Steinböden einstellen. Auch enorm hilfreich falls man Zweifel an dem Eigenleben von feuchten Badematten hat.
Schnelltrocknende Outdoor-Hosen
Das soll keine Schleichwerbung sein. Aber diese Mischgewebe sind schon ungeheuer praktisch. Wenn sie einmal nass werden, und das werden sie in Schottland ganz sicher, trocknen sie in wenigen Stunden bei Zimmertemperatur. Nach dem Waschen kann man auch getrost auf einen Trockner verzichten. Das reduziert den “Verbrauch” der Hosen deutlich, theoretisch reicht eine.
Kontinental-Adapter und Mehrfachsteckdose
Je nach dem wie stromlastig man aufgestellt ist, empfiehlt sich in jedem Fall eine Steckdosenleiste. Adapter nicht vergessen.
Beschäftigung
Wenn man das Glück hat, an einen eher gesellschaftsscheuen Gastgeber zu geraten oder man selbst nicht der geselligste Typ ist, sollte man sich für die Freizeit definitiv mit Beschäftigungsmaßnahmen versorgen. Bücher und Handarbeitsmaterial waren für mich perfekt und ich bin sehr dankbar für beides.

Wenn ich mir so überlege, was ich alles eingepackt habe, komme ich zu dem Schluß: Nichts davon ist wirklich überflüssig. Fast alles habe ich bisher auch genutzt, selbst meine Fachliteratur.

23.8.2013 / Mehr Meer und noch viel mehr

Das Feuer gestern lief ganz hervorragend. Der Trick beim Feuermachen am Strand ist nämlich: Alles genauso machen wie sonst auch. Keine Grube buddeln oder so’n Gedöns, einfach wie im Garten einen großen Scheit als Auflage, Anzündematerial daneben und, an den Scheit angelehnt, die ersten kleineren Stöckchen legen. Fertig. Dem Hund hatt’s auch sehr gefallen. Aus irgendeinem Grund mag er es genauso wie ich, einfach in die Flammen zu gucken…
Die Nacht war leider etwas kurz: Gegen vier Uhr setzte starker Wind ein der mich einige Stunden wachhielt. Vor allem sorgte ich mich um Whisky, der ja quasi ungeschützt im Vorzelt schlafen musste. Nach einem kurzen Check war aber auch diese Sorge am Ende unbegründet: Das Rascheln des Zeltes war lauter als seine tatsächlichen Auswirkungen im Vorzelt und der Schnuff hat sich davon auch nicht beirren lassen. Er lag einfach zusammengerollt da und hat nicht gefroren. Kein Zittern und ein kurzer Handtest bestätigte dann eine ofenartige Wärme im Inneren der Hunderolle
Der Morgen war ebenso stürmisch und leicht verregnet, sodass ich einen kurzen Ausflug in die Stadt Campbeltown unternahm. Viel zu sehen gab’s dort für mich nicht, zuviele Kunstgalerien… Immerhin habe ich meine Vorräte auffrischen können und dem Hund neues Futter besorgt. Der hat dann in der Zwischenzeit irgendwann mal lesen gelernt und gesehen, dass sein neues Futter viel weniger Fett enthält als sein altes. Diesen Mangel hat er dann, zurück am Campingplatz, wohl im Vorfeld ausgleichen wollen, da er meinen Buttervorrat in meiner Abwesenheit geplündert hat! Gut, sonderlich zufrieden war ich mit meiner Kühlungsmethode auch nicht: Im unbenutzten Alu-Topf habe ich die Butter im kühlen Wasser schwimmen lassen…
Ansonsten ist heute nicht recht viel losgewesen: Das Wetter war bei meiner Rückkehr deutlich besser und hat nach meinem Mittagessen, Rührei mit Speck, zu einem Schläfchen im Grünen verführt. Der Hund durfte ganz viel im Meer planschen und wir beide freuen uns auf den kommenden Abend. Dann gibt’s nämlich wieder ein Feuer.
Ich werde nicht müde, am Meer zu sitzen und einfach hinaus zu blicken. Das zu genießen fällt sehr leicht, noch leichter mit einem Bier in der Hand. Und dem Hund gefällts wohl auch…

24.8.2013 / Wetterschwankungen

Das gestrige Lagerfeuer wurde leider schon nach dem zweiten Bier durch einsetzenden Regen beendet. Immerhin hatte ich so Gelegenheit, mich um meine Post zu kümmern und die Wetterfestigkeit des Vorzeltes zu überprüfen. Fazit: Das Vorzelt ist durchweg hundegeeignet, auch bei Regen.
Der heutige Tag begann dann herrlich mit Sonnenschein, Kaffee und Handarbeit. Leider änderte sich das am Nachmittag, derzeit ist es bewölkt, wenngleich es noch nicht zu sehr nach Regen aussieht. Aber es schlägt mir ungemein auf den Kreislauf, weshalb der heutige Eintrag auch etwas kürzer wird als gewohnt Immerhin dem Schnuff geht’s gut…
Von Rupert, meinem nächsten Gastgeber, habe ich gestern auch noch Nachricht bekommen: Ich werde morgen im Laufe des Tages in Skipness erwartet und werde dort die Nacht im Wohnwagen verbringen können. Ich solle einfach nach seiner Tante Sophie fragen, man wisse dann schon wer ich sei. Momentan habe ich ein sehr gutes Gefühl dabei, der Tonfall in den Emails ist doch sehr herzlich und freundlich. Inwieweit ich dort Zugang zum Internet haben werde muss ich sehen.
Ich hoffe, dass sich mein Kreislauf bis heute Abend wieder erholt und die Wetterlage stabil bleibt. Ein letztes Lagerfeuer hier in Point Sands wäre nur zu schön…

25.8.2013 / Skipness

Gegen Mittag habe ich Point Sands mit schwerem Herzen verlassen. Ich habe dort eine sehr schöne Zeit verbracht und hoffe, diesen Ort irgendwann einmal wiedersehen zu dürfen. Der Weg nach Skipness war nicht lang. Auch hier ist es wunderschön und die Familie hat mich warm empfangen. Diese Nacht werde ich im Wohnwagen verbringen, der mir nach meinem Zelten ungeheuer luxoriös erscheint. Die Landschaft ist wunderschön und ich kann mich am azurblauen Meer noch immer nicht sattsehen. Dennoch bleibt ein flaues Gefühl. Ich kann es noch nicht recht in Worte fassen. Trotz des warmen Empfangs hier fühle ich mich am falschen Platz. Wahrscheinlich ändert sich das, sobald Rupert morgen zurück ist und ich etwas zutun bekomme. Doch im Moment habe ich Heimweh.

26.8.2013 / Skipness, finally…

Ich weiß, ich bin heute spät dran. Das liegt vor allem daran, dass Rupert, mein Gastgeber, erst gegen 19 Uhr angekommen ist. Bis dahin habe ich den Tag in Skipness vertrödelt. Hab ein bisschen mit den Hunden Fussball gespielt (siehe Bild), bei der Familie gesessen und mich sehr gut mit denen unterhalten. Was sind die alle nett! Zwischendurch hab ich mich dann noch in Brian verknallt. Brian ist der letzte Welpe aus dem Wurf der noch ein Zuhause sucht. Er ist zur Hälfte Deutsch Kurzhaar und zur Hälfte Großer Münsterländer. Leider ohne Papiere. Und soll trotzdem 450 Pfund kosten…Gott sei Dank, sonst hätt’ ich den wohl gleich mitgenommen! Brian ist ein bisschen doof, aber das macht ihn auch irgendwie süß. Aber vor allem ist er süß weil er halt grade mal 13 Wochen alt ist, da sind so ziemlich alle Hundewelpen süß…. Whisky hat unterdessen eine kleine Schocktherapie in Bezug auf das Jagen des frei herumlaufenden Federviehs bekommen und war danach unglaublich einsichtig, sodass er ohne Leine herumlaufen durfte. Prince Charming hat dann den Rest des Tages genutzt, um sich bei Ruperts Familie einzuschmeicheln, was ihm auch sehr gut gelungen ist.
Am Abend kam dann Rupert endlich an. Er ist nett und ökologisch sehr interessiert. Allerdings hat er ein anstrengendes Wochenende hinter sich, weshalb ich den Abend allein am Feuer verbringen durfte. Ich glaube, wir verstehen uns gut. Geld oder Aussicht auf bezahlte Arbeit bietet er jedoch nicht – keine Kapazität. Er ist politisch eher linksgerichtet und alternativ und schafft es dennoch, sein Haus, Fairfield Cottage, besser aufgeräumt und sauber zu halten als Thea! Ich fühle mich in meinem neuen Quartier wohl, der Schnuff sowieso auch, und ich bin auf die kommenden Tage sehr gespannt. Ein weiterer Bonus: Er hat ein recht schnelles Wi-Fi, weshalb ich endlich dazu komme die längst überfälligen Bilder hochzuladen! Juhu! Doch das wird morgen angegangen. Jetzt will ich einfach nur friedlich schlafen…

27.8.2013 / Und sie können es doch…

Der Tag begann entspannt, Rupert hat mir, nicht ohne Anflug von Stolz, seine Wälder gezeigt. Größtenteils wirklich schöne, gut durchmischte Laubwälder. Der Hund durfte unterdessen frei und wild herumspringen und hat es sichtlich genossen, ohne Leine durch die Wälder zu peesen. Ich werde morgen mit dem Auszeichnen eines kleineren Ahorn-Eichen-Bestandes beginnen. Die Fläche wird anschließend eingezäunt und Rupert zeigte sich dem Modell des deutschen Scherenzaunes als Wildschutz sehr aufgeschlossen – diese Zaunart ist hier nahezu unbekannt und im Vergleich deutlich günstiger als alles andere.
Ansonsten gibt es nicht soviel zu berichten. Ich fühle mich recht wohl hier, wenngleich ich einiges vermisse. Die Jagd fehlt mir doch sehr. Ebenso wie meine Küche, mein Wohnzimmer, mein Mann! Was meine Rückkehr anbelangt haben sich die Pläne etwas geändert: Ich werde am 13ten September mein Wwoofing-Experiment beenden, mit meinem Ehegatten eine schöne Woche in Großbritannien verbringen und anschließend nach Deutschland zurückkehren. Dann bleibt auch vielleicht noch genug Zeit, um für den Halbmarathon im Oktober zu trainieren.
Ich hoffe, dass ich es vorher noch nach Aberdeen schaffe. Ich glaube nicht, dass sie den Studenten dort das Prinzip des schlagweisen Hochwaldes verkaufen. Und solange ich noch hier bei Rupert bin, möchte ich auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen und eine Runde ausreiten – die Familie besitzt einige Pferde und es sei wohl auch kein Problem, diese “auszuborgen”.
Heute Abend werde ich wieder ein kleines Feuerchen machen. Da genug Feuerholz vorhanden ist, sei dies auch kein Problem. Rupert wird mir dabei wohl keine Gesellschaft leisten, er sei immernoch zu müde vom anstrengenden Wochenende… Ich freue mich auf die nächsten Tage mit ihm. Er geht oft fischen und angeln und hat versprochen, mir das Angeln beizubringen. Früher, als Kind, habe ich gern geangelt und dann das Interesse daran verloren. Aber das kommt ja vielleicht wieder.

28.8.2013 / Any good catches today?
Gefangen!

Kam bei uns nie auf den Tisch, brachte Rupert aber gutes Geld…

Makrelen

Makrelen – das Angeln war ein Kinderspiel und mein Gastgeber konnte daraus ein wahres Königsmahl bereiten.

Ein gefühlt unproduktiver Tag liegt hinter mir. Rupert sieht das, Gott sei Dank, anders. Ich habe seinen kleinen Ahornbestand ausgezeichnet, solide Z-Baum-Durchforstung. Morgen geh’ ich nochmal rein und schaue, was ich übersehen habe. Vermutlich mache ich auch beim Fichtenbestand dahinter weiter. Der ist für meinen Gastgeber weniger von Interesse. Ich dürfe ruhig “brutal” sein mit den Fichten. Naja. Schauen wir mal. Aber ihm gefällt die Idee, auch diesen Bestand etwas aufzulichten und hoffentlich Ahorn-Naturverjüngung hinein zu bekommen. Immerhin weiß Rupert meine Fähigkeiten und Ideen zu schätzen, was schonmal ein gutes Gefühl ist.
Heute Abend waren wir dann fischen. Wir sind in einem kleinen Boot hinausgefahren, haben die Körbe kontrolliert und sogar drei passable Hummer mitgenommen – der Rest war leider zu klein. Zwei große Krebse landen ebenfalls demnächst im Kochtopf. Das Angeln anschließend lief sehr leicht. Ich erinnere mich noch gut, wie langweilig das früher war. Doch hier, im Meer, war es sehr einfach ein paar Makrelen zu fangen. Einfach auswerfen, einholen und zack! So haben wir sicher 20, vielleicht 30 große Makrelen gefangen. Viel Arbeit war das nicht. Am Anfang hat es viel Spaß gemacht. Wenn die Leine zittert und man sie gespannt einholt, spürt dass man ordentlich was am Haken hat. Gegen Ende war es dann fast schon langweilig…. Ich verstehe zwar den Reiz des Angelns, glaube aber nicht, dass ich zuhause große Bestrebungen in diese Richtung anstellen werde. Da ist mir die Jagd dann doch tausendmal lieber.
Ach, die Jagd….ich gebe zu, das fehlt mir doch sehr. Dem Hund wohl auch, wenngleich er hier durchaus auf seine Kosten kommt. Er ist hier sofort “everybodys darling”, darf frei herum springen und fast alles tun, was ihm gefällt. Bei dem Gedanken an die Heimat missfällt es mir etwas, ihn dort wieder an die Leine nehmen zu müssen. Da ist man hier, zumindest im ländlichen Bereich, deutlich entspannter. Immerhin ist er mittlerweile so gut trainiert, dass ich ihn auch in brenzligen Situationen auf der Stelle zurückpfeifen kann. In Point Sands neulich gelang das sogar, als er aufgeregt auf Spaziergänger mit Hunden zulief. Ein Pfiff, und er kehrte etwa einen Meter vor seinem Ziel direkt auf der Hinterhand um. Inklusive Bremsspuren im Sand.
Sei es, wie es sei: Ich freue mich, bald meinen Mann wiederzusehen. Und bald nachhause zu dürfen. Meine Abenteuer hier sind wunderschön, aufregend und lehrreich. Aber…ich vermisse Deutschland!

29.8.2013 / Brennholz!
Holzspalter

Entsprach mit der Einhandbedienung so garnicht der deutschen UVV und hätte mehr Power haben können. Dennoch leistete der Spalter zufriedenstellende Arbeit.

Hund passt auf

Whisky hatt’s auch meistens getaugt…

Der heutige Tag war spaßig. Gestern abend habe ich von Rupert Bettwäsche erhalten und konnte die Nacht endlich ohne Schlafsack verbringen. Gott sei Dank hat er mir eine wirklich große Decke gegeben. Denn der Hund schleicht sich nachts immer in mein Bett und klaut die Decke, was bei der Größe aber weniger ins Gewicht fiel… Der Morgen wurde irgendwie verbaselt und erst gegen späten Vormittag konnte ich rausfahren und den Ahornbestand weiter auszeichnen und mit der Fichte nebenan anfangen. Leider ging dann die Farbe aus. Immerhin konnte ich so einen Blick auf Ruperts aktuelles Projekt werfen: Er hat da eine wirklich schöne Scheune, die er als Maschinenpark/Werkstatt nutzen will. Leider ist das Dach verrottet und er ist gerade dabei, es zu erneuern. Aus meiner deutschen Sicht konnte ich ihm nur die Hilfe eines Profis dafür empfehlen! Er sieht das mittlerweile genauso…
Am Nachmittag durfte ich dann Feuerholz spalten. Mit einer sehr alten Spaltmaschine. Diese Arbeit macht mir große Freude und ich denke ernsthaft darüber nach, mit meiner Selbstständigkeit auch in den Bereich der Brennholzbereitstellung zu gehen. Insgesamt hat Rupert aus meiner fachlichen Sicht einiges an Potenzial mit seinen Wäldern. Leider sieht seine Familie das anders und er bräuchte lediglich etwas Ausrüstung, um die ganze Sache ins Rollen zu bringen. Als er mir das erzählte war ich sehr dankbar für den Rückhalt, den ich durch meine Familie erfahren habe und noch erfahre. Und sehe hier, dass das eben nicht selbstverständlich ist.
Heute werde ich mal das typisch britische Baden ausprobieren. Rupert hat gemeint, dass das klassische Duschen doch eher eine kontinentale Geschichte sei. Selbst im großen Haus seiner Familie gäbe es keine Dusche, somit bleibt mir wenig anderes übrig. Auch mal ne Erfahrung. Für unsere gemeinsame Zeit hier haben wir uns heute darauf verständigt, doch etwas eher zu Abend zu essen als für Rupert üblich. Gestern hat er noch um halb Elf angefangen zu kochen, was für mich definitiv zu spät ist. Wir haben uns auf die Mitte geeinigt, was sehr unkompliziert war. Er ist ein wirklich guter Gastgeber und ich freue mich, hier sein zu können und ihm mit seinen Projekten eine Hilfe zu sein. Allein, dass ich das Potenzial in diesen Wäldern als Experte sehe und bestätige hat ihm wohl schon mental sehr geholfen!

 

30.8.2013 / Schottisches Wetter
Fichtenbestand

Ungepflegt, aus heutiger Sicht viel zu enger Pflanzverband gewählt und grobastig – schottische Industrieholzproduktion.

Frische Makrele

Makrele selbst gefangen, Kartoffeln und Spinat aus dem eigenen Garten. Ein Genuss!

Am Nachmittag begann alles mit einer mir bisher unbekannten Form von Nieselregen. Es war eher eine Art zu Boden fallender Nebel. Arbeiten ließ es sich dabei noch recht gut. Dann hörte der Regen kurz auf und machte Platz für ordentlich Wind. Mit Sturmböen. Ich war da noch draussen und habe den Fichtenbestand ausgezeichnet bis die Farbe alle war. Ich bin daher etwas früher als geplant zurück und recht froh darüber, im Warmen sitzen zu können und nur zu hören, wie der Wind an den Fensterläden zerrt und der Regen gegen die Scheibe prasselt. Ein Tee wär jetzt was Feines…
Rupert ist noch unterwegs. Gegen Mittag ist er in die Stadt gefahren für einige Besorgungen. Ich hoffe, er bringt mir ordentliche Baumfarbe mit. Momentan nutze ich Markierungsfarbe für Schafe. Das sieht fast genauso aus, allerdings habe ich Zweifel an der Haltbarkeit. Das Bild rechts zeigt den besagten Fichtenbestand. Ich bitte um Entschuldigung für das dunkle Bild, aber…in so einem Wald ist es nunmal stockduster. Deshalb will ich ihn ja auflichten, um der Naturverjüngung eine Chance zu geben. Leider wird das hier komplizierter als bei uns in Deutschland, denn sobald etwas Licht auf den Boden kommt, wuchert der Rhododendron! Und der ist leider etwas agressiver als unser heimisches Problem mit der Brombeere. Rupert hat gemeint, dass der Staat für einen Hektar Rhododendronentfernung bis zu 6000 Pfund bezahlt. Also darf ich mich nächste Woche wohl damit anfreunden, etwas von dem Zeug nieder zu mähen. Unter anderem dafür holt er die kleine Säge aus der Werkstatt ab. Na, schauen wir mal wie das wird…
Momentan warte ich auf meinen Gastgeber und hoffe auf ein ähnlich gutes Dinner wie gestern abend. Da gab es frisch gefangene Makrele aus dem Ofen mit Kartoffeln und Gemüse aus dem Garten. Mjam! Für die nächsten Tage steht reichlich Fisch auf der Karte, ebenso wie Krebs, den ich gestern auspulen durfte. Dem Schnuff geht’s soweit auch ganz gut. Heute werde ich anfangen, sein Premiumfutter mit dem britischen Futter zu mischen. Leider ist das nicht ganz so hochwertig, deutlich weniger Protein und Fett, aber es ist wohl für “working dogs” gemacht. Und eh nur für die nächsten Wochen, das wird er sicher überleben…

31.8.2013 / Unkraut jäten für Anfänger und Fortgeschrittene

Wieder ein lässiger Tag. Anfangs ging’s ganz entspannt los mit Unkraut zupfen im hiesigen Gemüsebeet. Eine unglaublich entspannende und irgendwie befriedigende Tätigkeit. Und soviel steht mal fest: Ich brauche unbedingt ein Hochbeet in meinem Garten! Eigenes Gemüse schmeckt doch gleich zehn Mal besser als das aus dem Supermarkt. Billiger ist es auch, wenn man die eigene Arbeitszeit nicht zu teuer kalkuliert…
Anschließend durfte ich dann mit der süßen Mini-Motorsäge die Rhododendron-Plage bekämpfen. Was für eine beschissene Scheiße das doch ist! Hier wächst das Zeug meterhoch, wie Schlingfplanzen. Ein kleiner Dschungel wartet im Dunkel des Waldes und ich kann nicht wirklich sagen, dass diese Aufgabe Spaß macht. Aber sie muss getan werden – der Rhododendron ist der hiesigen Naturverjüngung haushoch überlegen. Sobald etwas Licht in den Bestand kommt ist das Zeug da und wuchert vor sich hin. Und das, was ich hier betreibe, ist auch eher eine Eindämmungsmaßnahme. Denn um ihn vollständig loszuwerden müsste man die Wurzeln auch noch rausreissen. Ich verstehe langsam, weshalb das Zeug hierzulande teilweise einfach im Wald abgefackelt wird. Man bräuchte eine Horde von Sklaven um dieser Plage Herr zu werden. Und bis man diese wieder in Großbritannien erlaubt, reichen Wwoofer und Praktikanten wohl auch. Schöner Mist ist das. Und während ich arbeite fluche ich selig vor mich hin auf die großartigen Herren aus der viktorianischen Zeit, die den Rhododendron einst auf die Insel gebracht haben. Spaß macht das alles nicht. Es braucht keine fünf Minuten, um die Stämmchen zu sägen. Aber das Sammeln der Äste und Blätter dauert dabei gut eine Stunde. Diese Pflanze ist dabei ein wirklicher Überlebenskünstler. Sie bildet Äste aus, die am Boden entlang und die Bäume hoch wachsen. Wann immer diese wieder auf den Boden treffen, werden neue Wurzeln gebildet. Die vegetative Vermehrung beherrscht dieses Miststück auch wahrlich gut. Ein Kampf gegen Windmühlen ist das, nichts anderes. Wirklich gut komme ich dabei nicht voran. Ich habe mir vorgenommen, täglich etwa eine Stunde damit zu verbringen. Das ist genug, um ein bisschen Widerstand zu leisten, und doch nicht zuviel, um mir tatsächlich auf die Nerven zu gehen. Immerhin macht die Arbeit mit der kleinen Säge Freude.
Den Rest des Nachmittags habe ich dann fröhlich beim Feuerholzspalten verbracht. Und das war’s dann auch schon mit meinem heutigen Tag. Morgen habe ich frei und freue mich auf meinen faulen Sonntag. Insgesamt gefällt es mir hier schon ganz gut, doch ich will wieder nachhause. Hier gibt es für mich nicht mehr viel was ich mitnehmen könnte und so bin ich in Gedanken schon dabei, die Tage zu zählen bis ich mit meinem Mann hier auf der Insel schön Urlaub machen kann – und hoffentlich Gelegenheit haben werde, mal im Pub ein paar Whiskies zu probieren…

1.9.2013 / Die Tasse

Einst war sie mal glücklich. Das war nicht geplant. Nichts davon. Es passierte einfach. Sie war glücklich und jetzt ist sie es nicht mehr. Die Tasse war ein Geschenk. Eine Gabe des Glücks. Und nun ist sie alles, was sie noch hat. Alles was von diesem Glück geblieben ist. An manchen Tagen trinkt sie daraus. Dann wird das Glück zum profanen Begleiter. Zum Ding. An anderen Tagen betrachtet sie die Tasse mit einem seligen Lächeln. Versinkt in Erinnerungen an das Glück. Die Hoffnung ist verloren, dass es je zurückkehren wird. Oder sich neu erfindet und ihr präsentiert wie einst: unverhofft. Wenn das Lächeln dann erfriert, weil die Hoffnung fehlt, will sie die Tasse ermorden. Mit dem Revolver ihres Vaters. Durchbohren mit der Wucht der Realität. Bis die Tasse nur noch ein Stück Altmetall ist, sonst nichts. Niemand trinkt aus einem Gefäß mit Löchern. Man könnte es versuchen, doch würde es den Durst nicht stillen.
Oft hat sie sich das gewünscht. Die Tasse auf einen Baumstumpf stellen und darauf schießen. Doch es wäre doch nur vergebens. Ein kurzes Hochgefühl und danach kehrt die Leere zurück, trifft sie mit aller Gewalt und zieht den Boden unter den Füßen weg.
Deshalb hat sie das Geschenk noch nicht ermordet. Sie hat schon versucht, sie zu verstecken. Oder zu verbuddeln. Doch das alles hilft nichts. Denn auch wenn sie selbst nicht sieht, wo die Tasse ist, so weiß sie doch, dass sie immer noch da ist.
Die Vergänglichkeit der Leidenschaft ist die erdrückende Realität. Das Glück lässt sich nicht festhalten, auch nicht in einer Tasse. Und sie ist alles, was ihr geblieben ist. Die schönste Zeit ihres Lebens, die wundervollsten Momente der Magie, schwarzer Kaffee mit Milch – alles passt in eine Tasse.
Die Tasse selbst hat schon viel gesehen. Sie baumelte manches Mal am Rucksack und konnte weit über das Land blicken. Oder sie wurde im Auto durch die Gegend gefahren. Stand mitten im Wald, gefüllt mit wunderbarem, schwarzem Tee, auf einem Stück Holz. Das war ganz früh morgens und die Luft war noch frisch, der Zauber der Dämmerung lag im Wald. Die Tasse wollte kein solches Geschenk sein. Sie wollte, wie eigentlich jede andere Tasse auch, einfach nur im Regal stehen, bisweilen herausgenommen und mit Tee gefüllt und dann, nach einem herrlich entspannenden Bad im warmen Wasser, wieder zurück gestellt werden. Doch dieses Schicksal war ihr nicht vergönnt. Ihr schlichtes Gemüt wurde überfordert, denn sie musste zu etwas Besonderem werden. Oft ist sie traurig. Sie fühlt den Schmerz, doch ist sie machtlos dagegen. Und sie fühlt auch, dass sie selbst ein großer Bestandteil dieses Schmerzes ist. Ohne es ändern zu können. Manchmal wünscht sie sich fort. Dass sie doch weggegeben und weiterverschenkt würde. Doch dann schämt sie sich für diesen Wunsch.
Mittlerweile hat die Tasse viele Macken bekommen.
Doch leider noch kein Loch.

1.9.2013 / Sturmwarnung

Die See ist aufgewühlt, die Isle of Arran verbirgt sich in einem Gespinst aus Nebel und Regen. Ereignislos ist dieser Sonntag, so wie ich es mir wünsche. Ein Spaziergang mit dem Hund war das heutige Aktivitäts-Highlight. Die Sehnsucht nach dem Zuhause wächst mit jedem Tag. Es macht zwar Freude, hier ein wenig als Förster rumturnen und Bestände auszeichnen zu können, aber….um ehrlich zu sein hat mir das noch nie großen Spaß gemacht. Vom ständigen nach-oben-Gucken bekomme ich Kopfschmerzen. Immerhin bin ich Rupert eine große Hilfe, der mit seinem Wald bisweilen sehr überfordert ist. Er hat keine Ahnung, wie man einen Baum vermisst und daraus die Festmeter an Holz errechnet. Er weiß nicht, wieviel ein Rücker kosten sollte und auch nicht, wie man das Holz verkauft. Und an wen. Er ist somit wohl ein typischer Privatwaldbesitzer. Eigentlich schade, dass ich noch nicht selbstständig tätig bin. Hier ließe sich gut Geld machen, wenngleich der logistische Aufwand etwas größer ist als daheim…Johannes, magst du nicht auf eine Dienstreise gehen…?
Das Wetter ist stürmisch und verregnet, für die Nordsee liegen Sturmwarnungen vor. Ich merke davon selbst im Haus so einiges. Wirklich dicht sind hier höchstens die Bewohner nach ausreichend Bier, ansonsten zieht’s überall und erst jetzt merke ich, wie gut die Häuser in Deutschland doch isoliert sind, wie sauber die Fenster verfugt sind und so weiter. Ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man den Zug im Nacken spürt obwohl Türen und Fenster verriegelt sind!

2.9.2013 / Und fleissig weiter…
Hund mag Regen...nicht

Leidet mit mir, der tapfere Hund!

Der Tag heute war in etwa so, wie die letzten Arbeitstage hier auch: Auszeichnen, Rhododendron entfernen und Holz spalten. Und das alles im Regen. Auf dem Bild links dürfte die Problematik mit dem Rhododendron deutlich werden: Kaum ist der Bestand etwas aufgelichtet, wuchert es los! Keine Chance für die Naturverjüngung. Das alles manuell endgültig zu entfernen, d.h. inklusive Wurzeln, dürfte Jahre dauern. Und dabei sind 55ha nicht besonders viel. Immerhin tue ich, was ich kann. Es ist nur ein kleiner Beitrag, aber jede Hilfe ist willkommen.
Was den Schlachtplan für die anstehenden Duchforstungen angeht bin ich mir mit Rupert nicht besonders einig. Die Selektivauslese findet er gut. Aber er sieht nicht, wie er das Holz zu Geld machen kann. Er hat es meiner Ansicht nach auch verkehrt herum aufgezäumt: Er hätte erstmal bei den Sägewerken anfragen sollen, wieviel diese mindestens abnehmen und für welchen Preis. Anschließend hätte er seinen Bekannten fragen können, wieviel er für das Rücken haben möchte. Ich versuche immernoch, ihm die Alternative mit dem Pferd schmackhaft zu machen. Doch ich spüre, dass es für ihn andere Gründe gibt, die ihn davon abhalten. Ich glaube, er versteht sich mit dem im Ort ansässigen (!) Pferderücker nicht besonders. Was wirklich schade ist, denn gerade hier könnte es zu Pferde günstiger sein. Der Forwarder muss erstmal hergebracht werden, was Geld kostet. Aber gut. Komischerweise wird der Preis hier per Tag genannt und nicht per Festmeter. Oder zumindest Rupert wurde er pro Tag genannt. Was es schwierig macht, das ganze zu vergleichen: Der Mensch mit dem Forwarder möchte etwa 400 Pfund am Tag, der Mensch mit den Pferden 200. Es liegt auf der Hand, dass ohne weitere Informationen beide Werte nicht zu vergleichen sind.
Weiterhin hat Rupert hier allein an Fichte ganz gut was rumstehen. Kein Vermögen, aber eine Schande, es zu verbrennen. Er hat nur keinen Plan. Ich versuche mein Bestes.
Davon ab geht es mir ganz gut. Allerdings, da bin ich ganz ehrlich, wünsche ich mich im Moment einfach nur nachhause…allein, weil dort eine Dusche installiert ist!

3.9.2013 / Living in the present

Wie früher an der Uni. Man stiefelt durch den Wald. Man bleibt vor einem Baum stehen. Er wird begutachtet, von allen Seiten analysiert und bekommt etwas Farbe auf die Rinde. Oder auch nicht.
Das war, mehr oder weniger, mein Tag. Rupert hatte Gordon zu Gast, einen Herrn, der indirekt für die Forestry Commission arbeitet. Ein netter Kerl. Er wurde eingestellt, weil er eben nicht Forstwirtschaft studiert hat. Er bezeichnete sich selbst als “Treehugger”, also quasi als Baumfreund. Und er hat das gemacht, was man als Förster eben macht: Privatwaldbesitzer beraten. Und er war gut. Wir haben die dicksten und schönsten Bäume

Isle of Arran

Malerisch: Die Isle of Arran. Hier hinter der Mündung des Skipness River.

ausgewählt, insgesamt etwa 35 Kubikmeter. Das reicht, um einen LKW voll zu kriegen und Rupert ein kleines Startkapital zu ermöglichen. Es hat Spaß gemacht mit ihm zu arbeiten und ich finde es etwas schade, dass er nicht länger geblieben ist. Er war lustig.
Was weniger lustig war: Ich wurde heute von einer Biene gestochen. Das war während unseres Waldspaziergangs im Garten des Nachbarn Duncan. Wir standen dort uns haben uns unterhalten, keine 10m vom Korb entfernt. Whisky hat es zuerst erwischt. Und dann mich. Ich weiß jetzt: Ich bin immernoch nicht allergisch gegen Bienen. Duncan hat den Stachel schnell aus meinem Gesicht entfernt. Meine letzte stichhaltige Begegnung mit Bienen ist schon sehr lange her. Damals ist mir eine ins Hemd geflogen und hat mich am Hals gestochen. Das war in einer Parfümerie in Minden und ich war keine 10 Jahre alt (glaube ich). Ich erinnere mich noch gut, dass die Verkäuferin daraufhin lauter Pröbchen an der Stelle verteilt hat weil der Alkohol darin ja kühlt. Und ich wurde sehr quengelig. Nach meiner Erfahrung heute weiß ich garnicht mehr weshalb, denn der Schmerz ist nicht besonders dolle und vergeht recht schnell. Es ist nichtmal geschwollen. Whisky geht’s übrigens auch gut.
Ich bin mal gespannt, was der Abend noch so bringt. Rupert hat sich gestern abend etwas traurig darüber geäußert, dass ich meine Abende immer allein im Zimmer verbringe. Nunja. Mir ist momentan nicht unbedingt nach Gesellschaft, allerdings ist Rupert ein wirklich netter und durchaus interessanter Mensch. Deshalb haben wir heute unseren Gemeinschaftsabend, wenn man so möchte. Ich habe gestern versucht zu erklären, weshalb ich momentan allein sein möchte. Es sei, weil ich etwas Heimweh habe. Er sagte daraufhin etwas, was mich wirklich nachdenklich gestimmt hat: Viele Menschen denken zuoft an die Vergangenheit und die Zukunft, anstatt mit ihrem Geist im Jetzt zu sein. Er hat Recht und jedes Mal, wenn mich die Sehnsucht überkommt, erinnere ich mich an diese Worte. Und deshalb werde ich heute auch den Abend mit ihm verbringen. Schon allein, weil er morgen Mittag wegfährt und ich bis Montag allein sein werde. Da hab ich dann genug Zeit zum Filmegucken und Traurigsein.

4.9.2013 / Sturmfrei

Rupert ist heute zu seinem Festival aufgebrochen und hat mich mit einer sehr überschaubaren To-Do-Liste und 25 Pfund allein gelassen. Somit konnte ich meinen Nachmittag relativ faul gestalten und werde die nächsten Tage ebenso verbringen. Theoretisch habe ich das Wochenende frei, praktisch werde ich meine Arbeiten so aufteilen, dass ich jeden Tag, auch am Wochenende, etwas zutun habe.
Ansonsten gibt es leider nur noch zu berichten, dass dem Hund seine Futterumstellung nicht bekommt. Er hat sehr starken Durchfall, obwohl ich wieder zurück zum Premiumfutter bin. Deshalb gab es für ihn heute erstmal Schonkost in Form von gekochten Kartoffeln. Schauen wir mal. Gestern hat er sehr viel getrunken. Soviel, dass er mich um vier Uhr früh aus dem Bett geholt hat weil er dringend raus musste. Ich hoffe sehr, dass sich mit der Magendiät morgen etwas Besserung einstellt. Ansonsten muss ich noch mit ihm zum Tierarzt und auf diese ergreifende Erfahrung möchte ich wirklich gerne verzichten…
Mir selbst schlägt das wechselhafte Wetter etwas auf die Gesundheit. Ich spüre seit einigen Tagen bereits den Anflug einer Erkältung. Deshalb habe ich entschieden, heute etwas kürzer zu treten und mich lediglich mit einem Grog ins Bett zu bringen. Achja: Der gestrige “Konversationsabend” verlief, zumindest für mich, etwas enttäuschend. Rupert kam erst spät vom Pilzesammeln zurück, dazu war noch sein Kumpel Alan da. Es war ein netter Abend, aber wohl nicht das, was wir beide uns vorgestellt hatten. Naja. Ab Montag wird ja noch Anouk, Ruperts Freundin, hier sein. Da bin ich mal gespannt, wie sich die letzten Tage hier so entwickeln werden…

5.9.2013 / Sorgenhund

Laufstrecke

Dekadenter Hund

Nachdem die „der Hund schläft nicht im Bett“-Regel ja schon längst aufgehoben war überrascht dieser Anblick dann höchstens noch durch die Dekadenz dabei…

Gutes Gefühl. War heute wieder Joggen. Mann, hat mir das gefehlt! Tolles Gefühl. Und die Hoffnung, mit einem akzeptablen Ergebnis beim Halbmarathon in Nürnberg mitzulaufen, habe ich noch nicht aufgegeben. War eine Stunde unterwegs, einmal Fährstation hin und zurück, schön an der Küste entlang bei herrlichem Wetter. Dem Hund hatt’s auch gefallen. Der ist momentan auf Reis-Diät. Mal schauen, wie die Nacht wird. Ich hoffe zwar sehr, dass es tatsächlich nur am Futter liegt. Aber selbst dann stellt sich mir, und dem Hund, die Frage, wie wir die nächsten zwei Wochen hier überbrücken werden. Noch ist etwas von dem Premium-Futter da. Aber das reicht keine 14 Tage mehr. Bei normaler Ration allenfalls eine Woche. Ich könnte es mit gekochtem Reis strecken….
Zumindest hindert es ihn nicht daran, furchtbar dekadent zu sein. Er ist aufgeweckt, verschmust und scheint auch keine Schmerzen im Unterbauch zu haben. Also alles halb so wild, hoffentlich.
Davon ab habe ich heute damit angefangen, die Windwurf-Lärchen aufzumessen. Rupert hat deutlich gemacht, wie sehr er sich freuen würde zu wissen, wieviel Festmeter da in etwa bei rumkommen sollten. Heute habe ich die ersten 20 Bäume aufgenommen und noch genug Arbeit für die nächsten drei Tage, ohne dass es öde wird.

9.9.2013 / Tun was man kann

Noch vier Mal schlafen. Und der Hund ahnt noch nichts. Garnichts. Er weiß noch nicht, dass er vor Wiedersehensfreude am Freitag schier zerspringen wird. Genau wie vor ein paar Wochen, als er nichtsahnend ins Auto gehüpft ist und wir mal eben bis nach Calais gefahren sind. Er ahnt nichts. Oder?
Rupert hat heut vormittag angerufen. Er wird wohl entweder erst gegen Mitternacht ankommen oder doch erst morgen früh. Ich habe ihm die Variante mit morgen früh empfohlen, dann kann er noch Farbe mitbringen. Heute war ich wieder im Bestand und habe die zu entnehmenden Fichten gemessen. Die Schaffarbe ist schon ziemlich verbichen, dabei ist sie gerade einmal eine Woche alt.
Weiterhin habe ich für Rupert eine Art “Beginners Guide to Forest Management” erstellt. Nicht wirklich viel, aber selbst das dürfte genügen um ihm zu helfen, das hier aufzuziehen. Momentan ist er doch sehr mit der Gesamtsituation überfordert und will’s nicht zugeben. Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage damit verbringen kann, ihm das Bestimmen der Behandlungseinheiten zu erklären und zu verdeutlichen. Wenn man 55ha Wald besitzt der in sich kein homogenes Bild aufweist sondern unterschiedliche Baumarten in verschiedenen Strukturen und Altern und man etwas mehr haben möchte als Brennholz für den Eigenbarf sollte man diesen Wald in kleinere, homogenere Flächen aufteilen und sich einen Plan zurecht legen, was wann wo und wie gemacht wird. Aber mal ehrlich: Muss man für diese bahnbrechende Erkenntnis wirklich Forstwirtschaft studiert haben? Mir kommt diese Herangehensweise sehr logisch und schlüssig vor, aber ob ich das wirklich an der FH gelernt hab? Keine Ahnung. Rupert jedenfalls weist leider keinerlei Management-Talente auf. Noch nicht. Dafür bin ich ja da.
Der Tag war insgesamt recht schön. Mittlerweile habe ich ja gelernt, mir selbst zu genügen. Sophie, die Tante meines Gastgebers, war am Samstag so nett und hat mir 2 Kaninchenhäute überlassen. Das zweite davon habe ich heute als Schleppe für den Hund gebraucht. Hat schon ganz schön gestunken, aber Hunde finden das ja “interessant”. Nunja. Für so eine Schleppe bindet man also irgendetwas Stinkendes an eine Leine und schleppt es hinter sich her, sodass es auf dem Boden schleift. Und der Hund muss es dann suchen. Hat er auch. Und er hatt’s gefunden. Leider war er nicht wirklich auf die Fährte am Boden konzentriert, da wir Gegenwind hatten (was Pech war). Dafür hat er auch den Haken gearbeitet und sich sehr über die anschließende Apportübung mit dem stinkenden Kaninchenfell gefreut…
Ich sehe seiner kommenden Brauchbarkeitsprüfung gelassen entgegen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber er zerrt nicht mehr am Riemen, seine Aufregung ist konzentrierter Arbeit gewichen und insgesamt ist er für die Jagd gut zu gebrauchen. Hoffentlich sehen das die Prüfer genauso.
Und nur, weil ich gerade in Stimmung bin: Hier mal eine kleine Auswahl der Dinge, auf die ich mich in Deutschland freue. Und ja, ich freu mich auch auf alle meine Freunde, werd aber keinen davon namentlich erwähnen. So.
– Wieder in MEINER Küche kochen
– Bier aus Flaschen trinken und nicht aus Dosen
– DSA spielen
– und vielleicht Shadowrun? Und Deadlands?
– das Probetraining beim Boxclub Thaiborg in Memmingen
– wieder deutsch reden
– MEINE Dusche
– MEINE Wanne
– und beide mit EINEM Wasserhahn! (im Ernst: die Briten finden das irgendwie unglaublich schick und traditionell, am Waschbecken zwei Wasserhähne zu haben. Rechts für arschkalt und links für kochend heiß. Ein dazwischen gibt’s nich. Und ja, falls es einen unglaublich schlüssigen Grund dafür gibt und ich vielleicht zu doof sein sollte, mir die Hände da mit lauwarmen Wasser zu waschen, freu ich mich gern über jede Weisheit!)
– Musik. Aus ordentlichen Lautsprechern
– so Kram wie Gewandung nähen (wüsst nich mal was oder wofür, aber ich würd’s gern machen…)
– JAGEN
– mit meinem Mann PS zocken
– wieder jeden zweiten Tag joggen gehen
– neue Hosen kaufen, die alten (Winter 12/13) sind way too groß!
– meine berufliche “Selbstverwirklichung” vorantreiben, *hüstel*
– “Leon der Profi” im Directors Cut auf der Heimkinoanlage ansehen
– die Katzen ärgern
– Weisswurstfrühstück am Sonntag
– meine Kellerräume fertig ausbauen, damit das “nach dem Schuss” nicht mehr so eine Riesensauerei ist
– meinem Mann erklären, dass wir unbedingt wieder eine Fritteuse brauchen und das rein garnichts damit zu tun hat, dass ich hier zwar seit Wochen in Großbritannien bin und bisher nur ein einziges Mal in den Hochgenuss von super fettigen Fish&Chips gekommen und deshalb immernoch super scharf drauf bin….
– Brot essen.
– dem Hund eine Hütte für den Garten bauen
…. und natürlich GANZ VIEL DIABLO3 ZOCKEN!

10.9.2013 / Into the wilderness

Rupert und Anouk sind wider Erwarten nicht am Vormittag eingetroffen. Ich habe vorhin mit Anouk gesprochen, sie werden wohl im Laufe der nächsten Stunde ankommen. Derweil habe ich mich meinem “Beginners Guide” gewidmet und eine bisher ungesehene Waldfläche in Augenschein genommen. Dieses Gebiet, siehe Bilder, stand 10 Jahre lang unter Schutz. Im Zaun. Mittlerweile ist dieses Protektorat aufgehoben und theoretisch könnte es bewirtschaftet werden – deshalb bin ich hin. Was sich meinem Anblick bot, war eine Augenweide für jeden Naturfreund:

Die einzige Spur der Menschen war eben jener Zaun, der die sicher 20ha große Fläche vor dem zu hohen Wildbestand schützt. Farne, übermannsgroß. Vereinzelte Bäume, die aber kaum die Strauchhöhe überschritten. Ich bahnte mir einen Weg durch diese urtümliche Wildnis, mancher Felsen musste mühsam erklettert und einige “Bachläufe” mit dem bestiefelten Fuß unfreiwillig ausgelotet werden. Aber das war’s wert! Frieden. Stille, die nur vom Wogen des Ozeans begleitet wird. Ganz ungefährlich war mein Weg nicht, schließlich gab es keinen. Und der Farn verbirgt, als Teil der naturgegebenen Falle, jede Unwegsamkeit. Ich war mir sicher, wenn ich hier zu Fall käme, kein Mensch würde mich rufen hören.
Dieses Gebiet gehört, auch wenn der gesetzliche Schutz aufgehoben sein mag, weiterhin der Natur. Eine Bewirtschaftung ist schlichtweg unmöglich. Selbst, wenn man es zu Stande brächte einen der sehr rar gesäten Bäume hier zu fällen – wie sollte man das Holz hinaus bekommen? Wanderer, kommst du je nach Skipness, besuche dieses Areal!
Ansonsten verlief mein Tag äußerst unproduktiv. Ich habe beschlossen, die kleinen Fichten-Quadrate in den nächsten Tagen noch gruppenweise zu durchforsten bzw. selbiges vorzubereiten. Die nächsten zwei Tage werden hoffentlich viel mit Auszeichnen und Rupert Wald-Management-Beibringen zutun haben…und dann ist auch schon Freitag und ich kann meinen Mann vom Flughafen abholen!

11.0.2013 / Letztes Mal Fischen

AbschiedsstimmungHeute war ich ein letztes Mal mit Rupert beim Fischen. Wir haben einige Makrelen gefangen auf die gleiche, erfolgversprechende Art wie letztes Mal. Doch seine Körbe sind leer geblieben. Er hat ja den anderen Fischer im Verdacht, ihn zu bestehlen. Man weiß es nicht. Fischen war definitiv eine der Erfahrungen, die nur beim ersten Mal spannend und faszinierend sind. Heute war’s eher langweilig. Und kalt. Und nass.
Immerhin konnte ich heute ein paar Gespräche mit Anouk führen. Sie ist wirklich nett, lustig. Und gutaussehend. Wie ist Rupert, dieser kleine, schmächte, nichtssagende Kerl, bloß zu so einer Klassefrau gekommen? Doch egal. Ich find’s schön, dass sie da ist. Und als Holländerin kann sie mir manche deutschen Wörter ins Englische übersetzen, obwohl sie nur wenig Deutsch spricht. Etwas schade, dass sie nicht früher zurück kommen konnte. Sie hat heute den ganzen Tag damit verbracht, das Cottage zu säubern, auf- und umzuräumen. Und auf einmal sieht’s viel gemütlicher aus!
Morgen wird mein letzter Arbeitstag hier sein. Etwas schade, doch andererseits freue ich mich unglaublich auf den Urlaub mit meinem Mann. Tatsächlich wird das unser erster gemeinsamer Urlaub seit über 5 Jahren sein!

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