Anreise

Der nachfolgende Text ist rückblickend im Jahr 2015 entstanden. Alle auf Schottland bezogenen Fotos sind mit meiner Handykamera entstanden.

Die Anreise

Es ist früh am Morgen. Entgegen meiner Erwartung habe ich gut geschlafen und beginne ausgeruht damit, das Auto mit den an den Tagen zuvor gepackten Kisten zu beladen. Dabei bin ich noch recht entspannt. Etwas aufgeregt, aber ich hatte stärkeres Herzklopfen erwartet in Anbetracht dessen, was nun vor mir liegt. Nachdem alles verstaut ist hole ich am Flughafen meinen Mitfahrer ab. In Saarbrücken setze ich ihn wieder ab. Ein Handschlag, der vereinbarte Geldbetrag wechselt den Besitzer und schon geht es für mich weiter. Beinahe aus Versehen überquere ich die Grenze nach Frankreich. Und fahre. Whisky verhält sich vorbildlich ruhig während der gesamten Fahrt und so kann ich gut Strecke machen. Dies ist mein erster Besuch in Frankreich und der Eindruck ist: Frankreich ist vor allem verdammt groß! Schier endlose Felder, soweit das Auge reicht. An einer der Mauststellen dann der erste kleinere „Zwischenfall“: Aus Unwissenheit reihte ich mich in die Spur der Kartenzahler ein – nur um dann festzustellen, dass damit ausschließlich Kreditkarten gemeint sind und meine EC-Karte nicht akzeptiert wird. Ein freundlicher Franzose erklärt mir dann auf Englisch, dass ich ganz vorsichtig zurück setzen solle. Das hat dann auch gut funktioniert, ich zahlte brav in bar und ließ mich anschließend vom Navigationssystem zum nächsten Geldautomaten lotsen. Dieser lag in einem Einkaufszentrum, in einem Geschäft fragte ich auf Französisch, ob mein Gegenüber Englisch spreche. Der einzige Satz, den ich in dieser Sprache beherrsche. Die nette Französin rief dann einen Kollegen, der mir auf Englisch erklärte wo ich denn den Geldautomaten finden würde.

Zu fortgeschrittener Stunde musste ich feststellen, dass ich dringend eine Bleibe brauchte. Ich war nicht besonders wild darauf, schon die erste Nacht im Auto zu verbringen und praktischerweise spuckte mir mein Smartphone einen Campingplatz ganz in der Nähe aus: In Sauchy-Lestrée. Also machte ich mich auf den Weg, der mich mitten durch die Pampa führte. Es war schon fast dunkel, als ich ankam und ich von einer etwas betagteren Dame empfangen wurde. Die sprach nun selbst kein Englisch, freute sich aber sehr darüber, dass ich auf Französisch danach fragte. Mit Händen und Füßen konnten wir uns dennoch verständigen und haben dabei viel gelacht. Auch den Hund durfte ich mit auf den Platz nehmen, allerdings immer an einer Leine. Hier mein Tagebucheintrag von diesem Tag:

16.7.2013

Wo bin ich?
Sauchy-Lestrée
Was habe ich heute gegessen?
…nur Würstchen…
Was steht morgen an?
Weiter nach Calais fahren, übersetzen und weiter nach Schottland
Die Franzosen, denen ich bisher begegnet bin, waren freundlich und hilfsbereit.
Nach über 12h Fahrt bin ich einfach nur geschaft und dankbar für den kleinen Zeltplatz, den ich hier gefunden habe!

17.7.2013 / Von Frankreich bis nach Schottland, fast.
Bei sommerlichen Temperaturen machten wir es uns im Auto gemütlich - alle Luken offen!

Bei sommerlichen Temperaturen machten wir es uns im Auto gemütlich – alle Luken offen!

Am nächsten Tag ging es weiter nach Calais. Ich nahm die nächstbeste Fähre, auf die ich noch gut eine Stunde warten musste. Diese Zeit vertrieb ich mir mit dem Lesen meiner Reiselektüre, bei offener Klappe im Kofferraum. Die Einreise nach Großbritannien mit dem Hund war recht unkompliziert: Man legt den EU-Tierausweis (=Impfpass) vor, dann wird überprüft ob die Chip-Nummer im Pass mit der des Hundes übereinstimmt und das wars. Was ich vorher jedoch nicht wusste war, dass man sich während der Überfahrt nicht im Auto aufhalten durfte und ich somit Whisky allein lassen musste. Dabei war mir sehr unwohl und ich fragte einfach ein Crewmitglied, ob ich zwischendurch kurz nach ihm sehen könne. Das wurde mir auch gestattet, in Begleitung durfte ich kurz zu meinem Auto. Nur um festzustellen, dass all meine Sorgen natürlich wieder einmal umsonst gewesen waren: Der Hund schlief friedlich auf dem Chefplatz, dem Fahrersitz. Er ist da immer recht schnell, eine solche sich bietende Gelegenheit zu ergreifen. Ich ließ es ihm.

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