Die Stationen

Für meinen Aufenthalt wählte ich drei Gastgeber aus, die hier nur in Kürze, en detail auf der entsprechenden Page, dargestellt werden sollen.

18.7.2013 bis 6.8.2013 / Carroch Cottage

Carroch Cottage

Mitten im Nichts, mitten im Paradies: Blick auf das Haus und die dazugehörigen Wälder

Mein erster Aufenthalt sollte sogleich der entspannteste und ruhigste von allen sein. Und doch irgendwie nicht, zwischendurch ergab sich noch eine mehrtätige Tour auf dem Kanal. Mein Gastgeber Graham war sehr aufgeschlossen gegenüber den Ideen seiner deutschen Försterin, tobte gern mit dem Hund und kannte sogar Hermann Hesse. Dabei ist Graham ein Mann, der einen unsteten Lebenslauf aufweist und mit seinem kleinen Anwesen seinen Traum lebt und durchzieht. Er erklärt gerne, lernt aber selbst auch gern. Mit ihm über die Welt, die Menschen und die Natur zu philosophieren war stets ein guter, lehrreicher Abenfüller. In dieser mit Ofen befeuerten und vom Kerzenlicht erhellten Hütte durfte ich erfahren, wie wenig ein Mensch braucht um glücklich zu sein. Und das was ich hatte war schon so unglaublich viel. Wie unterhaltsam die Stille sein kann wenn man sie erst einmal zulässt war definitiv eine Erfahrung. Und so habe ich, um jetzt diese Episode mit einem philosophischen Fazit zu versehen, vermutlich aus Carroch weit weniger mitgenommen als ich dort gelassen habe.

6.8.2013 bis 20.8.2013 / Stonefield Farm

Highland Cattle Show

Ein Highlight während meines Aufenthaltes war definitiv die Show. Dabei durfte ich eines der Kälber am Strick neben der Mutter führen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn so eine Kuh ist kein Pferd. Und ein Pferd hat auch keine Hörner…

Mit meiner zweiten Gastgeberin, Thea, hatte ich es etwas schwerer. Gelinde gesagt. Ich war dort um zu arbeiten und das durfte ich. Ich will nicht sagen, dass meine Gastgeberin mein Potential verschwendete als sie sich entschloss, ihre Forstingenieurin einzig zum Sägen einzusetzen. Aber sie hat es definitiv nicht voll ausgeschöpft. Wir hatten große Schwierigkeiten miteinander, die mehr als einmal fast eskaliert waren. Jedes Mal war ich sehr dankbar, mit meinem Auto und dem Zelt darin zumindest theoretisch unabhängig zu sein. Dazu kam es jedoch nicht, ich blieb tapfer und zog die zwei Wochen durch. Immerhin: ein paar Mal durfte ich ja mit ihren Kühen, echten schottischen Hochlandrindern (Highland Cattle,), arbeiten und das war definitiv eine ganz besondere Erfahrung.

21.8.2013 bis 24.8.2013 / Point Sands

Am Strand mit Hund

Am Strand mit Feuer, Hund und Bier. Wenige Dinge und doch vollkommen ausreichend, um das Herz aufgehen zu lassen.

Nach meinen Erfahrungen in Stonefield hatte ich mir gefühlt Urlaub verdient. Da meinem nächsten Gastgeber, Rupert in Skipness, etwas dazwischen gekommen war musste ich ein paar Tage überbrücken. Und fand zu meinem großen Glück diesen Campingplatz im weiteren Umfeld von Skipness. Dort schlug ich mein Zelt auf, das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und ich verbrachte die Zeit mit gepflegtem Müßiggang. Halt, einmal war ich Joggen. Ich war gewissermaßen ganz allein mit mir selbst, nur der Hund leistete mir Gesellschaft. Wir lagen viel zusammen in der Sonne. Abends habe ich am Strand Lagerfeuer gemacht, Bier getrunken und zugesehen, wie die Sonne im Meer versinkt, die Sterne sie in ihrem Glanz ablösen. Selten davor und selten danach habe ich ein solches Gefühl von Zufriedenheit verspürt. Ich denke sehr gern daran zurück, immer mit einem Lächeln und manches Mal wünsche ich mir, dort noch einmal hin fahren zu können.

25.8.2013 bis 11.9.2013 / Skipness Woodlands

Isle of Arran

Blick von Skipness zur Isle of Arran.

Für diesen Gastgeber hatte ich eigentlich am meisten Zeit eingeplant – auch, weil ich mir am meisten davon erhofft hatte. In der Beschreibung war die Rede von 50ha Wald gewesen. Nun, das war es auch. Nur war mein Gastgeber, Rupert, nicht wirklich gut dafür geeignet sie zu verwalten. Das hat er selbst eingeräumt. Abgesehen von der „persönlichen Eignung“, die in diesem Fall vor allem an der mangelnden Fähigkeit scheiterte, sich auf ein Projekt zu konzentrieren und es durchzuziehen, fehlte ihm auch hinten und vorn das Geld. Und die Unterstützung seiner Familie. Letzteres macht es nie leichter, sich selbst beruflich und persönlich zu verwirklichen. Und ersteres führte natürlich dazu, dass er seine Zeit auch und vor allem in Dinge investieren musste, die ihm etwas Geld in die Kasse spülten. Pilze sammeln um diese auf dem Markt zu verkaufen oder Krebse fangen. Immerhin nahm er alles, was ich ihm riet, sehr gerne an. So zeichneten wir gemeinsam seinen Ahornbestand aus und ich erklärte ihm das Prinzip der Auswahldurchforstung. Ich schrieb sogar alles wichtige zusammen: In meinem mehrseitigen Werk erklärte ich ihm, wie ich seine Flächen bewirtschaften würde, mit Behandlungseinheiten usw. Aber auch so banale Dinge wie das Ausmessen vom Baum durfte ich ihm erklären. Leider, und das tut mir auch noch heute leid, überkam mich bei ihm das Heimweh. Ich zog mich immer mehr zurück und wollte die Abende allein verbringen. Eigentlich schade. Aber was geblieben ist, ist die Erinnerung an einen wundervollen Ort mit herzlichen Menschen – die gerne etwas anderes pflanzen wollen als Fichten.

 

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